Ungarn: Sozialisten in Umfrage erstmals wieder vor Fidesz

25. Dezember 2005, 14:18
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Optimismus macht sich breit - Negativ-Kampagne offenbar Bumerang

Budapest - Fänden heute in Ungarn Wahlen statt, würden die regierenden Sozialisten (MSZP) 29 Prozent der Stimmen erhalten und damit den oppositionellen rechtskonservativen Fidesz-Ungarischer Bürgerverband um einen Prozentpunkt schlagen, lautet das Ergebnis einer Meinungsumfrage des Instituts Szonda Ipsos in der ungarischen Tageszeitung "Nepszabadsag" (Freitag-Ausgabe). Neben den beiden großen Parteien hat lediglich der kleine liberale Koalitionspartner Bund Freier Demokaraten (SZDSZ) die Chance, die für den Einzug ins Parlament notwendige Fünf-Prozent-Hürde zu schaffen.

Damit sei der bisher "stabile Vorsprung" von Fidesz in der Wählergunst ins Wanken geraten. Im Dezember sei die größte Veränderung hinsichtlich der Wahlchancen der Parteien eingetreten, da das Lager der Sozialisten um drei Punkte anwuchs, während jenes von Fidesz um drei Prozentpunkte fiel. Die Sozialisten hätten vor allem in der Hauptstadt Budapest aufgeholt, wo sie zurzeit mit 36 Prozent unterstützt werden. Fidesz kann laut Umfrage in der ungarischen Hauptstadt mit 19 Prozent rechnen. Die rechtskonservative Partei habe vor allem in den Dörfern und Kleinstädten einen größeren Rückhalt (33-35 Prozent).

"Günstige Aufnahme der wirtschaftlichen Maßnahmen"

Hinter dem Aufholen der Sozialisten steht laut Szonda Ipsos die "günstige Aufnahme" der neuen wirtschaftlichen Maßnahmen der Regierung. Auch habe sich das Verhältnis zwischen Pessimisten und Optimisten ausgeglichen gestaltet. In den vergangenen zwei Jahren dominierten in Ungarn die negativen wirtschaftlichen Erwartungen der Menschen, die nun zum ersten Mal durch Meinungen eingeholt wurden, die ihre Zukunft und die eigenen Perspektiven hoffnungsvoll sehen.

Das für die Sozialisten positive Ergebnis kommt in einem Monat zu Stande, in dem der Fidesz-Vorsitzende Viktor Orban erklärte: In Ungarn leben die Menschen schlechter als ein Jahr zuvor. Das Jahr 2005 sei das Jahr von "Unsicherheit, Ausgeliefertsein und Unberechenbarkeit". In Ungarn sei eine Welt entstanden, in der es keinerlei Garantien gebe.

Als die übliche "Landestrauer" bezeichnet die Fraktionschefin der Sozialisten, Ildiko Lendvai, die Orban-Rede. Unsicherheit und Unberechenbarkeit seien eher für Fidesz charakteristisch. Orban würde von einer Verschlechterung der Lage der Menschen in einem Jahr sprechen, in dem Reallöhne und Realpensionen, Familienförderung und Wohnbeihilfe gestiegen seien, während Steuerbelastung und Inflation sanken. Orban hätte sich in seiner Rede lieber von einem seiner führenden Wahlkampfhelfer, dem Regisseur Imre Kerenyi, distanzieren sollen, der offen zu Revolution und Freiheitskampf aufgerufen habe, um Fidesz an die Macht zu bringen, sagte Lendvai. (APA)

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