Weltcup ausgeglichen wie lange nicht

30. Dezember 2005, 10:39
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Keinem Favoriten gelang Siegesserie, nur 30 Punkte trennen Top-4 bei den Herren - Junge ÖSV-Frauen ließen Aufhorchen

Wien - Der alpine Ski-Weltcup 2005/2006 verläuft in der Olympia-Saison ausgeglichen wie schon lange nicht mehr. Hatte im Vorjahr vor allem Bode Miller schon vor dem Jahreswechsel für einen Respektabstand zwischen sich und dem Rest der Welt gesorgt, liegt heuer zu Weihnachten die Spitze extrem dicht beieinander. 12 verschiedene Sieger in bisher 15 Rennen bei den Herren sowie neun unterschiedliche Siegergesichter in elf Damen-Rennen sprechen für sich.

Im Herren-Weltcup trennen die Top-4 gerade einmal 30 Punkte, die Besten 16 liegen nur 210 Punkte auseinander. Das Gedränge hat laut ÖSV-Herren-Chef Toni Giger einen einfachen Grund: "Von den Favoriten hat niemand eine Siegesserie hingelegt. Zudem waren 50 Prozent der Speed-Rennen stark vom Wetter beeinträchtigt." Dass mit Aksel Lund Svindal, der am Montag 23 Jahre alt wird, ein norwegischer Youngster führt, dessen beste Gesamt-Weltcup-Platzierung bis dato Rang 19 (2003/2004) ist, sorgt im kuriosen Olympia-Winter für das i-Tüpfelchen.

Zum Vergleich: im Vorjahr betrug in der Weihnachtspause allein das Loch zwischen Leader Bode Miller und seinem ersten Verfolger Benjamin Raich 312 Punkte. Die ÖSV-Stockerl-Bilanz sieht nach 15 Rennen im Vergleich zum vergangenen Winter so aus: die Anzahl von Siegen wurde von vier auf sieben gesteigert, die Anzahl der Podestplätze sank hingegen von 20 auf 16.

Bisher hat es zwölf verschiedene Sieger gegeben, nur der Italiener Giorgio Rocca (drei Slaloms) und der Österreicher Michael Walchhofer (eine Abfahrt, eine Super-Kombi) siegten mehrfach. Das Zeug zum Seriensieger hat auch Benjamin Raich, mit 20 Punkten Rückstand auf Svindal Dritter und bester ÖSV-ler im Weltcup, doch dem Pitztaler fehlt noch das Quäntchen Glück und Konstanz.

"Raich ist der schnellste Mann im ganzen Feld, er hätte sich den Sieg verdient gehabt", erklärte Technik-Trainer Gert Ehn nach dem Slalom am Donnerstag in Kranjska Gora. Raich hatte auch im dritten Saisonslalom nach dem ersten Lauf geführt, im Finale fädelte der Tiroler aber mit überlegener Zwischenbestzeit ein. Dass es dadurch mentale Folgeerscheinungen geben könnte, glaubt Ehn nicht: "Dass wird ihn nicht bremsen. Beim nächsten Mal wird er wieder voll angreifen."

Aus für Mayer und Albrecht

Auch Toni Giger lobte den Fahrstil des fünffachen Medaillengewinners der WM 2005 in Bormio: "Raich ist irrsinnig schnell. Dass er keine Sicherheitsläufe macht und jedes Mal voll attackiert, taugt mir. Er steckt nicht zurück." Und Raich selbst ging trotz des Ärgers über den verschenkten Sieg zufrieden in die Weihnachtspause: "Ich bin schnell und im Gesamt-Weltcup schaut es auch nicht so schlecht aus."

Klare Worte hat Giger in den Fällen Christian Mayer und Kilian Albrecht gefunden. "Die gesetzten Ziele wurden eindeutig nicht erreicht. Wenn sich im Europacup junge Läufer aufdrängen, dann werden die fahren."

Technikschwerpunkt bei den Frauen

Auch bei den Damen geht es an der Spitze eng her. Michaela Dorfmeister (502) geht mit nur zehn Punkten Vorsprung auf Janica Kostelic (492) in die Weihnachtspause, Weltcup-Titelverteidigerin Anja Pärson (440) hat trotz ihres Slalom-Doubles in Aspen und Spindlermühle als Dritte 62 Punkte Rückstand. Allerdings hat es bisher sechs Speed-Rennen (je drei Abfahrten bzw. Super G) und nur fünf technische Bewerbe gegeben.

Gleich fünf weitere stehen in den kommenden Wochen in Lienz (Riesentorlauf/Slalom), Zagreb (Slalom) und Marburg (Riesentorlauf/Slalom) auf dem Programm, ehe in Bad Kleinkirchheim (13.-15. Jänner) wieder die Speed-Damen das Wort haben. Bis dahin wird sich wohl ein anderes Bild ergeben haben.

"Die Dichte ist zweifellos größer geworden. Speziell im Riesentorlauf ist das Gesamt-Niveau sehr hoch", sah ÖSV-Damenchef Herbert Mandl einen Trend. Im Detail dürfe man aber nicht übersehen, "dass die zwei Topfavoritinnen Pärson und Kostelic in den schnellen Disziplinen bisher unter ihren Möglichkeiten geblieben sind", so Mandl. "Die beiden dürften das aber auch genau so forciert haben. Jedenfalls macht es das Ganze doch interessanter."

Mit Dorfmeister (1.), Alexandra Meissnitzer (4.), Kathrin Zettel (6.) und Andrea Fischbacher (7.) haben die ÖSV-Damen derzeit gleich vier Vertreterinnen in den Top-7 der Gesamtwertung, wobei vor allem die bisherigen Auftritte von Zettel und Fischbacher selbst die bemerkenswerten Vorstellungen der beiden Routiniers übertrafen. "Insgesamt stärkt es unsere Mannschaft enorm, dass die Jungen aufgeschlossen haben", bilanzierte Mandl deshalb positiv.

Nur mehr Siege als die zwei durch Meissnitzer und Dorfmeister hätte sich Mandl gerne vom Christkind gewünscht. Damit soll es nun noch vor dem Jahreswechsel bei den traditionellen Heimrennen am 28./29. Dezember in Lienz klappen. "Es wäre super, wenn wir dieses Jahr mit einem weiteren Sieg abschließen könnten", so Mandl, den neben der famosen Leistung der Jungen auch die Rückkehr von Marlies Schild auf das Podium freute.

Die bisher kriselnde Salzburgerin ist in Spindlermühle zwei Mal Dritte geworden und vor allem rund um den Jahreswechsel immer besonders stark. Im Vorjahr gewann sie am Semmering Riesentorlauf und Slalom und gleich darauf auch noch im Jänner den Slalom in Santa Caterina. "Sie ist jetzt hoffentlich locker und gelöst. Es könnte ähnlich laufen wie im Vorjahr", gab sich Mandl zuversichtlich. "Die Fähigkeiten dafür hat Marlies auf jeden Fall!" (APA/red)

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