Das Beste aus Kernobst

13. September 2007, 10:38
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Wenn’s um Äpfel und Birnen geht, stehen einige Namen von Brennern ganz oben: Reinhard Wetter, Hans Krenn und Anton Vogl vom Guglhof - Teil 1

Österreich – und darüber hinaus der gesamte Alpenraum – ist ja gottseidank reichlich gesegnet mit erstklassigem Obst. In den Ebenen, den Tälern und sogar bis hinauf in höher gelegene Bergregionen wächst, was die Bewohner mit wertvollen Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen versorgt. Das Kernobst spielt dabei – allein mengenmäßig – eine Hauptrolle. Ob Äpfel oder Birnen: frisch, saftig und urg’sund sind diese Früchte schon im Rohzustand. Veredelt und weiterverarbeitet bieten sie darüber hinaus noch Genuss und (man erinnere sich an Paracelsus und beachte die Menge!) Rausch. Wohlschmeckend, bekömmlich und animierend sind vor allem die Destillate, die aus der reinen, sauberen und vollreifen Frucht gewonnen werden können. Dazu müssen die Schnapsbrenner allerdings ihr Handwerk beherrschen, auf dass sich die unerwünschten Stoffe – die in jedem Destillationsvorgang haufenweise anfallen – nicht auch im trinkfertigen Brand befinden.

Freude mit dem „Fünften Element“

Darin sollen nur jene Stoffe enthalten sein, die unsere Geschmackspapillen aufs vortrefflichste ansprechen und dem Körper ein feines Wohlgefühl bereiten. Als da sind: Frische, saftige Aromen, am besten jeweils fruchttypisch, ein wohldosierter Alkohol als Träger dieser Aromen, die ein wohlabgestimmtes Gesamterlebnis dieses „fünften Elements“ ergeben und dem Konsumenten sinnliche Freude bereiten.

Ein wahrer Meister der Äpfel und der Birnen ist Reinhard Wetter aus dem kleinen Missingdorf, ungefähr im Zentrum des Dreiecks Eggenburg-Horn-Retz gelegen. Nebst seinen einzigartigen sortenreinen Apfel- und Birnensäften produziert Wetter auch wohlabgestimmte Cuvées wie das „Donnerwetter“ oder das „Wetterleuchten“. Während erstgenannter ein Obst-Saft von exquisiter Güte ist, handelt es sich bei zweitem um einen Obstler, der bar jeder verstaubten „alten Tradition“ von zumeist recht einfach gestrickten Bauern-Schnäpsen daherkommt. Klare, saubere Frucht in einem wohlabgestimmten Verhältnis erheben diesen Obstler in die Klasse von Edelbränden, die auf jedem Digestifwagen einen noblen Eindruck machen.

Vorteil und Vorsprung bei der Faßlagerung

Bei den faßgelagerten Apfelbränden stechen zwei Produzenten besonders heraus: Alois Gölles aus Riegersburg und Anton Vogl vom Guglhof in Hallein. Beides sind versierte und für ihre Qhalität weit über die Grenzen des Landes gesschätzte Schnapsbrenner, die aufgrund ihrer langjährigen Arbeit auf diesem Gebiet auch über entsprechende Lagerbestände verfügen. Ddies ist gerade bei braunen Schnäpsen ein Vorteil respektive ein Vorsprung, der nicht leicht wettzumachen ist. Hier liegen jedenfalls Destillate vor, die ohne mit der Wimper zu zucken als erstklassige Brände von internationalem Format bezeichnet werden können. Nicht weit davon entfernt sind die über mehrere Jahre im Faß gereiften Apfelschnäpse von Tinnauer, Ziegler und Pirker.

Ist die Rede von Schnaps aus Williamsbirnen, kommt man am Namen Wetter schon wieder nicht vorbei. Er versteht wie fast kein anderer, das volle und tolle Aroma dieser Tafelbirne im Destillat einzufangen. Das gilt für die im Ganzen gemaischte Frucht ebenso wie für die ausgepressten Trester, der nach Meinung von Kennern fast noch würziger ist als der Klassiker. Da kommt nur der „Sir“ aus Tirol noch mit: Günter Rochelt legt auch schon seit vielen Jahrgängen einen tollen Williamsschnaps nach dem anderen vor, und obwohl die meisten schon ganz oben anzusiedeln waren, schafft er doch fast Jahr für Jahr noch eine Steigerung. Hut ab!

Auch ganz schön im Topsegment vertreten ist Hans Krenn aus Yspertal, der nicht nur würzige Schnäpse aus lokalen Birnensorten (Honig- und Kaiserholzbirne) destilliert, sondern auch bei der Quitte im Vorderfeld zu finden ist. Die Quitte aber beherrschte dieses Jahr ziemlich eindeutig der Winzer und Schnapsbrenner Karl Holzapfel aus Joching, gleichauf mit einem anderen Mann aus einer schönen Weingegend, nämlich Franz Tinnauer aus Gamlitz. Valentin Latschen und Alois Gölles sollen mit dieser Frucht auch nicht unerwähnt bleiben, beide haben wunderbare herb-würzige Schnäpse aus der Quitte auf Lager.

Nicht zu vergessen: Der Obstler

Zu guter Letzt auch noch ein Satz zum heimischen Klassiker, dem Obstler. Ein Schnaps, der noch immer einen ländlich-bäuerlichen Touch hat und der auch bleiben soll, was er ist: ein guter, zumeist rustikaler Brand, der am Ort der Destillation sicher besser wirkt als in kulinarischen Kreisen. Was nicht heißt, dass es auch Edel-Obstler gibt, die freilich schon mehr in eine Richtung gehen, die sich von der sinnvollen bäuerlichen Obstverwertung weg- und hin zu einer neuen Stilistik feiner, oft vergnüglicher Cuvées bewegt. Rochelts „Inntaler“ und „Hollermandl“ sind Belege dafür, ebenso die feinnervigen Cuvées von Waltraud Jöbstl. Auch nicht ganz klassisch-einfach, aber ganz hervorragend: Der „Alte Obstbrand“ aus Äpfeln und Birnen, der von Anton Vogl im Guglhof rund 10 Jahre im Faß gelagert wird und durch seine Reife und Ausgewogenheit besticht.

  • Reinhard Wetter
    foto: reinhard wetter

    Reinhard Wetter

  • Anton Vogl, Brenner und Likörmacher vom Guglhof
    foto: guglhof

    Anton Vogl, Brenner und Likörmacher vom Guglhof

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