USA und Kanada als Vorbild?

3. März 2006, 16:24
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Kanada sucht sich Zuwanderer nach Punktesystem aus - USA verlosen Green-Cards

Wien - Die Regierung - vor allem das BZÖ - möchte das Thema Zuwanderung im nächsten Jahr verstärkt auf die Agenda setzen. Zuletzt wurden wiederholt das kanadische Zuwanderungsmodelle sowie das US-System der "Green Cards" als Vorbild genannt. Beide Länder gelten als traditionelle Einwanderungsländer, versuchen aber, gezielt gut ausgebildete Migranten einwandern zu lassen. Ein Überblick über die beiden Systeme.

KANADISCHES MODELL: Dieses wurde zuletzt von Justizministerin Karin Gastinger (B) und Innenministerin Liese Prokop (V) gelobt, in der Vergangenheit haben sich aber auch die Grünen positiv dazu geäußert. Die Kanadier haben für unterschiedliche Personenkreise unterschiedliche Einwanderungsverfahren. Jährlich wandern rund 250.000 Menschen ein, in den nächsten Jahren sollen es sogar 300.000 sein.

Für klassische Arbeiter und Angestellte gibt es ein Punktesystem, wobei man mindestens 67 von 100 möglichen Punkten erreichen muss, um einwandern zu dürfen. Berücksichtigt werden folgende sechs Faktoren: Ausbildung, Sprachkenntnisse, Berufserfahrung (diese drei Punkte werden besonders stark gewichtet), Alter, zugesagte Arbeitsstelle, Anpassungsfähigkeit. Darüber hinaus können die Provinzen noch eigene Selektionskriterien einführen.

Bewerben kann man sich aber auch um ein "Business Visa". In der "Investor-Klasse" muss man ein Eigenkapital von mindestens 800.000 kanadischen Dollar nachweisen und 400.000 CAD investieren. In der "Unternehmer-Klasse" ist ein Eigenkapital von 300.000 CAD und der Nachweis eines erfolgreichen Geschäftshintergrundes erforderlich, und in der Kategorie "selbstständig Erwerbstätiger" muss man gewillt sein, einen Beitrag zum kulturellen und sportlichen Geschehen in Kanada zu leisten oder eine Farm zu bewirtschaften.

Einwandern kann man aber auch über ein Familien-Visa. Der Antragsteller muss dabei nachweisen, dass er einen Verwandten in Kanada hat und dieser bereit ist, ihn zu unterstützen.

Zum kanadischen Modell gehört auch, dass den Immigranten gratis Sprachkurse angeboten werden, eine Verpflichtung dazu besteht aber nicht. Nach drei Jahren Aufenthalt entsteht dann ein Rechtsanspruch auf die kanadische Staatsbürgerschaft, wobei Doppelstaatsbürgerschaft toleriert wird. Informieren kann man sich unter http://www.immigrationinfocanada.com.

US-MODELL: Die Amerikaner haben ein komplexes Einwanderungssystem, als vorbildhaft wurde von der EU-Kommission zuletzt aber vor allem das "Green Card"-Programm, das noch unter Ronald Reagan eingeführt wurde, angesehen. Positiv geäußert hat sich dazu auch der geschäftsführende BZÖ-Chef Hubert Gorbach. Die Green Card ist eine unbefristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. In den USA leben mehr als zehn Millionen Ausländer mit dieser Karte.

Jährlich werden von den USA 55.000 Green Cards nach dem Zufallsprinzip vergeben, was aber nicht heißt, dass keine Steuerung der Einwanderung gegeben wäre. Ausgeschlossen sind beispielsweise jene Länder, aus denen in den letzten fünf Jahren überdurchschnittlich viele Personen in die USA eingewandert sind. Voraussetzung für eine Green Card ist weiters ein dem amerikanischen High-School-Diplom vergleichbarer Abschluss oder eine zweijährige Berufserfahrung (innerhalb der letzten fünf Jahre) in einem Beruf, für den man eine zweijährige Ausbildung oder Einarbeitungszeit benötigt.

In den USA dürfte das System aber bald der Vergangenheit angehören. Erst vor kurzem wurde ein neues Einwanderungsgesetz beschlossen, mit dem die Green-Card-Lotterie abgeschafft werden soll. Zudem gibt es Bestrebungen, die Grenzen zu Mexiko, über die viele illegale Einwanderer einreisen, verschärft zu kontrollieren. (APA)

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