Telefonleitungen werden wieder sexy - mit TV

6. März 2006, 12:08
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AON startet Anfang 2006 Fernsehen aus der Telefonleitung - und bietet neben normalem Programm gleich die Programmzeitung dazu sowie hunderte Filme und Serien auf jederzeitigen Abruf

Ab Anfang 2006 kommt Fernsehen aus der Telefonleitung - und bietet neben normalem Programm gleich die Programmzeitung dazu sowie hunderte Filme und Serien auf jederzeitigen Abruf. Die Telekom Austria startet mit AON Digital TV.

500 Kanäle und Video-on-Demand

An Visionen hat es der Branche wahrlich nie gemangelt: 500 Kanäle und Video-on-Demand in jedem Haushalt propagierte schon der frühere ORF-General Gerhard Zeilinger in den 90er-Jahren als TV-Landschaft der Zukunft. Bereits Anfang der 90er-Jahre installierte Time-Warner für 4000 Testuser Video-on-Demand-Angebote in Florida. 2003 gründete der Disney-Konzern MovieBeam, das in drei Städten in Florida angeschlossenen Haushalten eine Art filmisches Wunschkonzert bot - nur um das Experiment im April dieses Jahres wieder einzustellen.

Unter den Ersten

Aber jetzt geht's los, und die Telekom Austria ist in Europa nebst Telefonica und France Télécom unter den ersten Internetprovidern, die ihren Kunden ein Kabel-TV-artiges Fernsehangebot unterbreitet. Zwar wollte AON Digital TV schon im Herbst "friendly customers" rund um die Uhr unterhalten, aber erst jetzt beginnt der Feldversuch, um dann "im ersten Quartal 2006" (TA-Vorstand Rudolf Fischer) in einem kommerziellen Angebot zu münden.

"Zwischen VHS und DVD"

Dieses sieht auf den ersten Blick - und das ist eine gute Nachricht - so unspektakulär aus wie eben Kabelfernsehen: Dutzende Stationen zur Auswahl, TV-übliche Bildqualität ("zwischen VHS und DVD", beschreibt Stefan Tweraser, Leiter des Retail-Marketing). Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn die dahinter stehende Internettechnologie zur Beförderung der enormen Datenmenge von Fernsehkanälen erfordert extrem hohe Bandbreiten und leistungsstarke Infrastruktur, damit das Bild nicht die aus dem Internet bekannten Störungen aufweist - gelegentlich verpixeltes Bild, Aussetzer, schlechtere Auflösung.

Das in Kabel- und Satellitenhaushalt selbstverständliche Angebot würde jedoch noch kaum jemand zum Umsteigen bewegen; erst der zweite Blick zeigt die Vorzüge von IP-Fernsehen (siehe Wissen). Neben den laufenden Liveprogrammen und "Premium TV" (Pay-TV) können Filme, Serien, Wetter, Verkehrsnachrichten und vieles mehr on Demand - also bei Bedarf - abgerufen werden. Lust auf neue Kinofilme statt der xten-Serienwiederholung im Abendprogramm? Aus der Liste aussuchen, auf Knopfdruck Wiedergabe sofort starten, abgerechnet (voraussichtlich ein bis fünf Euro pro Film) wird über die Telefonrechnung. Die Internetverbindung erlaubt weitere Möglichkeiten - in der Programmzeitschrift zu blättern, während das aktuelle Programm in kleinem Fenster weiterläuft, vor dem Zappen schauen, was in den anderen Kanälen gerade läuft, Zusatzinformation zum Programm auf den Bildschirm holen. Auch E-Mail und Interaktives wird es geben, wie Fotoalben für die Familie, die sich andere AON-Digital-TV-Teilnehmer auf Einladung anschauen können. "Internet pur" ist dagegen nicht vorgesehen, das soll dem PC vorbehalten bleiben, der über die hinter AON Digital TV stehende Internetverbindung ("ADSL 2 plus") angebunden ist.

Fern

Die Verbindungstechnologie wird vom Kunden dabei fern gehalten - was überbleibt, ist eine Settop-Box für den Fernseher und eine Fernbedienung für alle Funktionen. Die Details des Angebots, mit dem die Telekom vorsichtig auf den Markt gehen will, stehen noch nicht fest - nur so viel: "deutlich billiger als Kabel", also wahrscheinlich rund 20 Euro für das Grundpaket. 20.000 Kunden sollen in Wien nächstes Jahr gewonnen werden, dann erfolgt der weitere Ausbau in Ballungszentren; mittelfristig sieht Fischer das Kundenpotenzial bei 150.000 bis 200.000 Kunden. (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe)

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