Terrorexperte Tophoven sieht Umformung von Al-Kaida

23. Dezember 2005, 08:02
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Europa, Nahost und Asien heute stärker gefährdet als USA - "Irak Kulminationspunkt für Terror-Rekrutierung"

Erfurt - Der deutsche Terrorismus-Experte Rolf Tophoven vertritt die Ansicht, dass nicht die USA in erster Linie von Terror bedroht seien. In einem Gespräch mit der "Thüringer Allgemeinen" (Freitagausgabe) sagte Tophoven, der Nahe und Mittlere Osten sowie Europa und Asien seien stärker gefährdet. Heute sei der Irak Kulminationspunkt für die Rekrutierung und Motivation zum Terrorismus. Viele militante Islamisten strömten in den Irak und erwürben dort Kampferfahrung. "Die Gefahr ist, dass sie dann dieses Know-how mit in ihre Heimatländer zurücknehmen."

Das Terrornetzwerk Al-Kaida existiere in der alten Form nicht mehr, seine Basen seien zerschlagen worden, sagte Tophoven. "Al Kaida ist seit längerem neu aufgestellt und von einer früher hierarchisch strukturierten Organisation zu einer politischen Ideologie, einer Bewegung geworden. Und Bewegungen kann man entschieden schwieriger bekämpfen als eine festgefügte, sichtbare Organisation mit Hauptquartier und Verästelungen", meinte Tophoven, Leiter des Instituts für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik in Essen.

Der Al-Kaida-Anführer Osama bin Laden ist nach Ansicht Tophovens jetzt nur noch Impulsgeber, ein "Guru des militanten Islamismus". Er werde operativ nicht mehr gebraucht, weil er mit seiner Eigensicherung beschäftigt sei. Aber er habe viele militante islamistische Gruppen inspiriert. (APA/AP)

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