USA: Zinsen und Einzelhandelsdaten

28. Dezember 2005, 12:00
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Ein Kommentar von Alexander Sikora-Sickl aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die US Aktienmärkte tendierten in der Woche vor Weihnachten etwas schwächer. Grund hierfür war vor allem der kräftige Anstieg der Neubauaktivitäten. Investoren befürchteten daraufhin, dass der Zinserhöhungszyklus noch nicht abgeschlossen sein könnte. Unterstützung erhielt der Markt vom Ölpreis. Wetterprognosen zufolge dürfte der Winter mild ausfallen, weshalb Öl-Futures wieder unter die Marke von 60 USD fielen.

Für Enttäuschung sorgten auch Daten für den Einzelhandel. Entgegen den Erwartungen konnte das Weihnachtsgeschäft gegenüber November mit Ausnahme der Luxusgüter nicht weiter belebt werden. Dies führte zu Kursrückgängen bei nahezu allen großen Einzelhandelsketten. Diesem Trend konnte sich lediglich Circuit City Stores entziehen. Die zweitgrößte Elektronikhandelskette konnte nach einem Anheben der Umsatzprognosen für 2006 zulegen.

Im Aufwind befand sich zuletzt der Pharmasektor, nachdem Pfizer zwei wichtige Patente durch Gerichtsentscheidung gegen die Konkurrenz aus Indien verteidigen und bis 2011 schützen konnte. Positiv wurden die Quartalsergebnisse von Morgen Stanley und FedEx gemeldet, die Investmentbank und der Paketzusteller konnten ihre Gewinne über den Markterwartungen steigern. FedEx hob zusätzlich auch sein Gewinnziel für das laufende Geschäftsjahr an. Als Grund wurde der Aufschwung im Paketverkehr mit China genannt. Kursgewinne waren im Rohstoffsektor zu verzeichnen, nachdem eine Studie einer namhaften Investmentbank einen Nachfrageüberhang nach Nickel, Kupfer und anderen wichtigen Metallen bis 2007 prognostiziert hatte. Zur Schwäche neigten neuerlich Automobil-Aktien. Ford verbuchte Kursverluste, nachdem die drittgrößte Ratingagentur Fitch die Bonität in den Junk-Bereich herabgestuft hatte. Darüber hinaus hatte Ford im Dezember bei Autoverkäufen an Privathaushalte einen Einbruch um 25% zu verzeichnen. Negative Nachrichten brachten auch General Motors unter Druck, die Absatzzahlen im Dezember lagen um 17% unter den Werten des Vergleichszeitraumes des Vorjahres. Zudem verkündeten Honda und Toyota auch im kommenden Jahr GM deutlich Marktanteile am Heimmarkt abnehmen zu wollen. Schließlich verkaufte der Investor Kerkorian, der bis zuletzt an eine Sanierung von GM geglaubt hatte, insgesamt 2 Mio. Stück GM-Aktien. Die Aktie notiert nun auf dem tiefsten Stand seit 1982. Relative Schwäche zeigte des weiteren Caterpillar infolge enttäuschender Umsatzzahlen in den wichtigsten Sparten im November. Für Enttäuschung sorgte auch der Telekomdienstleister SprintNextel. Nach der Fusion der Unternehmen Nextel und Sprint im Sommer konnte sich die neue Marke nur zögerlich am Markt durchsetzen, die Kundenzahlen stagnierten seither.

Die Nachrichtenlage am US-Markt präsentiert sich derzeit gemischt, eindeutige Impulse, welche einen kräftigen Kursaufschwung auslösen könnten, fehlen momentan. Vor diesem Hintergrund rechnen wir in der letzten Handelswoche des Jahres 2005 mit einer verhaltenen, seitwärtsgerichteten Kursentwicklung.

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