Obdachloser starb in Müllwagen

30. Dezember 2005, 15:46
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34-Jähriger hatte in Altpapiercontainer geschlafen - Leiche wurde erst in Papiersortieranlage entdeckt

Wien - Eine Müllpresse in einem Wiener Abfalltransporter erdrückte am Donnerstag einen 34-jährigen Obdachlosen. Von den Arbeitern unbemerkt, hatte er offenbar in einem Altpapiercontainer geschlafen und wurde mit dem Inhalt in das Sammelfahrzeug geladen. Seine Leiche wurde am frühen Donnerstagabend auf dem Förderband einer Papiersortieranlage in Wien-Floridsdorf entdeckt.

Ein Verbrechen schließt die Polizei nach der Obduktion der Leiche von Zoran D. aus. "Der Mann ist am Donnerstag in den Morgenstunden in einem Lokal in Wien-Brigittenau gesehen worden", wurde bei der Kriminaldirektion 1 erklärt. Der aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende Mann dürfte dann betrunken in einen Container im 20. Wiener Gemeindebezirk geklettert sein, wo es dann am Morgen zu dem Unglück kam. Die betroffene Firma - ein privates Recyclingunternehmen - liefert mit 150 Wagen täglich rund 600 Tonnen Altpapier zur Sortieranlage in Wien-Floridsdorf, wo der Tote erst am Abend entdeckt wurde, als der Leichnam ein Förderband blockierte.

Dass Personen einen Müllcontainer als Schlafplatz wählen kommt selten, aber doch vor, heißt es bei der städtischen Müllabfuhr. Gewöhnlich werden die Schlafenden aber geweckt und nicht in den Abfallwagen geworfen. Leichen und Leichenteile, die nach einem Gewaltverbrechen beseitigt wurden, wurden in Österreich aber schon mehrmals entdeckt.

Leben auf der Straße

Der Tod des 34-Jährigen rückt die Problematik der Obdachlosen in Wien in den Mittelpunkt des Interesses. Zwischen 500 und 700 Menschen leben an jedem Tag in der Bundeshauptstadt auf der Straße, schätzt man beim Fonds Soziales Wien (FSW). Betroffen sind oft Personen, die nur schwer in Wohneinheiten zu integrieren sind.

Zahlreiche dieser Obdachlosen sind psychisch krank und können ihre Situation nur schwer einschätzen. Dabei gäbe es für Menschen, die kein Dach über den Kopf haben, zahlreiche Schlafplätze, beteuert man beim FSW. Insgesamt stehen in Wien rund 2500 Schlafplätze in verschiedenen Betreuungszentren zur Verfügung.

Die von Vereinen wie der Caritas betriebenen Einrichtungen sind gerade im Winter ziemlich voll. Trotzdem gibt es laut FSW aber noch freie Übernachtungsplätze. Insgesamt durchlaufen pro Jahr rund 3800 obdachlose Personen das Betreuungssystem. Für einen Teil von ihnen gibt es ein Happyend: Sie können wieder eine eigene Wohnung beziehen. (APA, moe, DER STANDARD - Printausgabe, 24./25./26. Dezember 2005)

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    In der Papiersortieranlage in Floridsdorf wurde die Leiche gefunden.

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