Deutschland: Eigentumskonflikt um Canaletto-Bild

29. Dezember 2005, 16:23
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Bund sieht keinen Anlass für Restitution

Berlin - Zwischen Deutschland und einem Erbe des jüdischen Kunstsammlers Max James Emden gibt es Streit um ein Gemälde des Malers Bernardo Bellotto (1722-1780), bekannt als Canaletto. Ein Enkel Emdens fordert das Bild des Dresdner Zwingergrabens zurück, weil sein Großvater das Werk wegen der NS-Verfolgung verkauft habe. Eine Sprecherin des Bundesamtes zur Regelung offener Vermögensfragen in Berlin bestätigte am Donnerstag einen entsprechenden Bericht der Zeitschrift "art", betonte aber zugleich, dass der Bund keinen Anlass für eine Rückgabe sehe.

Das Bild, von dem es eine größere Fassung in der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister gibt, hing seit 1961 im Bonner Sitz des Bundespräsidenten. Laut "art" verlangt Juan Carlos Emden, Enkel des Hamburger Kaufmanns, die Herausgabe. Sein Großvater habe 1938 unter Druck an die Nazis verkauft.

Max James Emden lebte seit 1929 in der Schweiz von Einkünften aus seinen Kaufhäusern. Der Kaufmann geriet unter Druck, als die Nazis begannen, sein Vermögen zu konfiszieren. Deshalb trennte er sich zwischen 1938 und 1941 von seinen Schätzen, darunter Werke von Monet und van Gogh, sowie drei Canalettos. 1945 gelangten die Gemälde in Hände der US-Streitkräfte, die von Nazis geraubte Kunst zusammenzogen. Dieser Bestand ging später in Besitz der Bundesrepublik über.

Das Bundesamt sieht keinen Zusammenhang zwischen Verkauf und Verfolgung. Emden sei ja bereits 1929 in die Schweiz gezogen, also vier Jahre vor Machtübernahme der Nazis. (APA/dpa)

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