Streiks nach Zugunglück in Italien geplant

27. Dezember 2005, 09:15
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Arbeitsausstand am 26. Jänner für mehr Sicherheit - Einer der Verletzten gestorben

Rom - Nach dem Zugunglück in der Kleinstadt Roccasecca, etwa 100 Kilometer südlich von Rom, haben Gewerkschaften einen Streik für mehr Sicherheit ausgerufen. Die Eisenbahner werden am 26. Jänner ab 21.00 Uhr 24 Stunden lang die Arbeit niederlegen, teilten die Gewerkschaften mit. Beim Zusammenprall zweier Züge am Dienstag ist eine Person ums Leben gekommen. 60 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft der Stadt Frosisone ermittelt wegen fahrlässiger Tötung.

Sparmaßnahmen

"Wegen der Sparmaßnahmen der italienischen Staatsbahnen ist sowohl bei der Instandhaltung als auch beim Personal radikal gekürzt worden. Die Bahnen sind in Italien heute ein gefährliches Verkehrsmittel geworden", betonte ein Vertreter des Gewerkschaftsverbands COMU.

"Wenn es an Sicherheitssystemen mangelt, wird auch der kleinste menschliche Fehler ein großer Risikofaktor. Ein Großteil des italienischen Bahnnetzes ist veraltet. In den vergangenen Jahren hat die Regierung Berlusconi die Investitionen auf die Hochgeschwindigkeitsstrecken konzentriert und die regionalen Bahnlinien ignoriert", betonte ein Gewerkschaftssprecher.

Bahnen dementieren Vorwürfe

Wegen des Rationalisierungsprogramms, das die italienischen Bahnen in den vergangenen Jahren durchgeführt haben, ist das Personal um rund 100.000 Personen reduziert worden. Außerdem hat die Regierung im Rahmen der Einsparungen im Haushaltsgesetz 2006 starke Kürzungen im Bahnwesen durchgeführt. "Die italienische Regierung wird den Bahnen 2006 nur 276 Millionen Euro zur Verfügung stellen, 92,6 Prozent weniger als 2005. Dies bedeutet, dass es zu keinen Investitionen für Instandhaltung und Modernisierung des Bahnnetzes sowie für die Sicherheit kommen wird", protestierte die Sprecherin der Grünen, Anna Donati.

Die Bahnen wiesen die Vorwürfe zurück. Laut internationalen Unfallstatistiken seien die italienischen Bahnen die sichersten Europas. Die Gesellschaft sei bemüht, das Bahnnetz mit modernster Technologie immer sicherer zu gestalten. (APA)

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