Biotechforschung in Tulln erzürnt die Grünen

22. Dezember 2005, 18:57
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Technopol unter Beschuss, Boku relativiert

Tulln/St. Pölten/Wien - Die "grüne und grau-weiße Biotechnologie" - also Genforschung im Dienste der Landwirtschaft und der (Agro)industrie - sei der Arbeitsschwerpunkt im Technopol Tulln, erläutert dessen Leiter, Claus Zeppelzauer. Geplant sei etwa, dem Pilzbefall bei steirischen Kürbissen den Garaus zu machen. "Anfällige Gensequenzen werden analysiert, um per Züchtung verändert werden zu können."

Laut Landtagsbeschluss vom 15. Dezember wird das 70 Millionen Euro Investitionsvolumen umfassende Projekt von Niederösterreich mit 56,7 Millionen Euro unterstützt - im Rahmen der Vienna Region in der heimischen Ostregion. Leitende Technopolidee - so Zeppelzauer - sei, Uniinstitute und Agrarfirmen in enge Zusammenarbeit zu bringen - außer in Tulln auch noch in Krems und Wiener Neustadt.

Auf dieser logistischen Grundlage sollten "anwendungsorientierte" und möglichst vermarktbare Sorten sowie Produkte entwickelt werden - und nicht durch das Hinzufügen sortenfremder Gene wie etwa bei Erdäpfeln, die menschliches Eiweiß produzieren. Doch Grünen-Landtagsabgeordnete Helga Krismer stellt diese Zusicherung in Frage. Die erwähnte Eiweißerdäpfel sei nicht zufällig vom jetzigen Leiter des Tullner Departments für Angewandte Pflanzenwissenschaften und Pflanzenbiotechnologie (Dapp), Florian Grundler, entwickelt worden - meint sie.

Zudem sei aus der Wiener Universität für Bodenkultur (Boku) ein so genanntes Saranhaus ins Technopol gebracht worden: Ein doppelwandiges Gewächshaus, in dem Experimente für gentechnisch veränderte Organismen (GVO) stattfinden dürfen. Aus diesen Gründen, so Krismer, spreche das Tullner Technopol dem Bekenntnis Niederösterreichs zur Gentechnikfreiheit Hohn. Eine Ansage, die von Boku-Sprecherin Ingeborg Sperl relativiert wird. Freisetzungen von GVOs werde es in Tulln nicht geben: "Aus einem Saranhaus kommt nichts unkontrolliert heraus und geht nichts hinein." Während Zeppelzauer den Gentech-Ehrgeiz Grundlers relativiert: Die Eiweißerdäpfel habe dieser nicht in Tulln, sondern "für eine deutsche Firma" entwickelt. (Irene Brickner, DER STANDARD, Print, 23.12.2005)

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