Die Anschleimer

27. Dezember 2005, 09:27
61 Postings

Dabei hat sich Schwarzenegger durchaus Verdienste um Österreich erworben, eines Ehrenringes wert, ... - von Günter Traxler

Auch wenn die Praktikanten der speziell österreichischen Kulturtechnik Anschleimen mit Handaufhalten dieser Tage einen Rückschlag erlitten haben, dürfte Graz bis auf Weiteres in seiner Existenz nicht gefährdet sein. Da soll man sich von Aufmachern der Kronen Zeitung wie "Schwarzenegger schlägt zurück!" und "Katzenjammer in der Steiermark!" nicht ins Bockshorn jagen lassen. Das schmückende Beiwort "Kulturhauptstadt" freilich hat unter Bürgermeister Siegfried Nagl einen öligen Beigeschmack bekommen. Aber schon die seinerzeitige Verleihung des Ehrenringes an Schwarzenegger ist wohl nur aus dem dringenden Bedürfnis zu erklären, der landläufigen Sehnsucht nach einem Terminator ebenso ein Ventil zu schaffen wie der Freude, dass dessen politische Talente nicht den Steirern, sondern den Kaliforniern zugute kommen.

Dabei hat sich Schwarzenegger durchaus Verdienste um Österreich erworben, eines Ehrenringes wert, als er nämlich Anfang der Neunzigerjahre das Angebot aus der steirischen Volkspartei ablehnte, für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren. Mit ein wenig Delikatesse hätte man in Graz die nunmehrige Retournierung des Juwels samt Verbot der Werbung mit dem Produkt Arnie stillschweigend als Zeichen von Selbstkritik interpretieren können und als Ausdruck tätiger Reue: Wer in Kalifornien die Todesstrafe vollstrecken lässt, ist nicht wert, das Grazer Wappen an seinem Finger zu tragen und einem Stadion seinen Namen zu geben.

Aber nein, nun streuen sie sich selber Asche aufs Haupt dafür, dass aus Österreich Kritik an einer in das raue amerikanische Klima verpflanzten Mimose kommt. Sie fantasieren sich den Terminator in eine zu Recht beleidigte Leberwurst um, die es ihren undankbaren Kritikern durch Liebesentzug nur ordentlich besorgen soll. Zynisch und verlogen wäre es, Schwarzenegger die Ablehnung eines Gnadengesuches vorzuwerfen, wo er doch sozusagen eigentlich gar nicht anders gekonnt hätte, weil Hinrichtungen in den USA halt ein alter Brauch sind, erfahren wir nun. Und wo er doch seinen Steirern immer seinen Namen gratis als Werbemittel überlassen hat!

Zynisch und verlogen ist in der Tat so ziemlich alles, was - bringen wir es doch auf den Punkt - zur Rechtfertigung der Todesstrafe, sofern sie nur in einem anderen Land vollzogen wird, vorgebracht wird. Schwarzenegger konnte ja gar nicht anders handeln, er musste ein Gesetz vollziehen, das die Todesstrafe vorsieht, lautet eine der Schutzbehauptungen - evident falsch, bekanntlich hat schon Ronald Reagan begnadigt.

Und überhaupt, Arnie sei doch immer ein guter Freund gewesen, und Freunden fällt man nicht mit Kritik in den Rücken, schon gar nicht, wenn sie Genies sind. Aber wem sonst als Freunden sollte man offen seine Meinung sagen? Wenn sie das nicht vertragen, hat man leider die falschen Freunde. Und ob man mit Leuten befreundet sein will, die über ein Menschenleben unter dem Gesichtspunkt der Stimmenmaximierung entscheiden, ist nicht nur eine Geschmacksfrage.

Wie hätten dieselben Leute, die sich nun, kommerzgetrieben und imagebesorgt, in die Patriotenrolle von Arnieschützern werfen, den großen Humanisten Schwarzenegger gefeiert, hätte er dem Gnadengesuch von Stanley Williams stattgegeben! Das ist kein leerer Verdacht, die Kronen Zeitung hat zu dieser Version schon Anlauf genommen, als sie das Gerücht aufbrachte, diesmal würde "der Steirer Milde walten lassen". Und auch kein christlicher Schwarzer hätte wohl ein Wort der Kritik an einem gnädigen Schwarzenegger gefunden.

Nun, wo die Gnade ausblieb, ist er ihnen genauso lieb und wert. Solange sie ihn nur weiterhin vermarkten dürfen. Und daran, dass er ihnen dieses Privileg entzogen hat, ist die "Rot-Grün-Kummerl-Brut in Graz" schuld. Wie gut doch der Pawlow'sche Politreflex funktioniert! (Günter Traxler, DER STANDARD - Printausgabe, 23. Dezember 2005)

Share if you care.