Franzose dürfte neuer EU-Betrugsbekämpfer werden

27. Dezember 2005, 11:15
4 Postings

UNO-Beamten Alain Gilette - EU-Ministerrat reiht derzeitigen Olaf-Chef Brüner nur an dritte Stelle - Affront gegen Deutschland

Brüssel - Das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) dürfte künftig vom französischen UNO-Beamten Alain Gilette geleitet werden. Gilette führt eine Vorschlagsliste des EU-Ministerrates für die Europäische Kommission an, wie das Düsseldorfer "Handelsblatt" (Freitagsausgabe) unter Berufung auf Diplomaten. Der bisherige OLAF-Chef Franz-Hermann Brüner findet sich nur an dritter Stelle der Rangliste wieder, hinter dem Favoriten des Europaparlaments, dem Schweden Björn Eriksson.

Zurücksetzung Brüners sei Affront gegen Deutschland

Brüner leitet die Behörde seit März 2000. Seine Zurücksetzung gelte als Affront gegen Deutschland, heißt es in dem Bericht weiter - zumal die beiden anderen Kandidaten keine Erfahrung in der Ermittlung von Betrugsfällen besäßen. Brüner dagegen habe schon vor seiner Ernennung zum OLAF-Chef als einer der erfolgreichsten deutschen Staatsanwälte bei Korruptionsfällen gegolten. Auch das Europaparlament hatte im Oktober Eriksson gegenüber Brüner vorgezogen, heißt es weiter. Die EU-Kommission entscheide vermutlich im Jänner über die Neubesetzung der mit rund 13.000 Euro monatlich dotierten Stelle.

OLAF war bei der Affäre um fiktive Verträge und schwarze Kassen beim EU-Statistikamt Eurostat in die Kritik geraten. Der Behörde wurde damals vorgeworfen, die EU-Kommission zu spät über seine Ermittlungen in dem Fall und das Ausmaß der Affäre informiert zu haben.

OLAF hat den Auftrag, Betrug, Korruption und sonstige Unregelmäßigkeiten einschließlich Dienstvergehen innerhalb der EU-Organe und -Einrichtungen zu bekämpfen. Formell untersteht das Amt mit seinen rund 300 Mitarbeitern zwar der Kommission, als Verwaltungsbehörde mit Ermittlungsbefugnissen ist es aber bisher weitgehend unabhängig. (APA)

Share if you care.