Neues Medikament gegen Nierenkrebs

28. Dezember 2005, 13:19
posten
Leverkusen/Washington - Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat am Dienstag mit Sorafenib (Nexavar) in den Vereinigten Staaten ein völlig neues Arzneimittel zur Behandlung fortgeschrittener Nierenzellkarzinome zugelassen.

Das Medikament wurde vom US-Unternehmen Onyx Pharmaceuticals gemeinsam mit dem deutschen Pharmakonzern Bayer entwickelt. Es handelt sich um einen der ersten Multi-Kinase-Hemmer in der Medizin. Kinase-Enzyme sind in bösartigen Zellen für deren Wachstum mitverantwortlich. Mehrere Pharmakonzerne entwickeln derzeit Medikamente auf diesem Wirkprinzip.

Wirkung

Die ehemals BAY 43-9006 genannte Substanz unterbricht in den Krebszellen jene Signalkette, die über die so genannte RAF-Kinase zum schnelleren Zellwachstum und zur Streuung von Tumorzellen führt. Darüber hinaus blockiert das Medikament auch jene Signale, die zur Neubildung von Blutgefäßen im Tumor führen. Damit greift das Arzneimittel Tumoren gleichzeitig an mehreren Stellen an. Obwohl das Wirkprinzip einleuchtend klingt, muss es nicht in jedem Fall auch umsetzbar sein. Eine ähnliche von Schering und Novartis entwickelte Substanz führte zunächst nur zu eher enttäuschenden Behandlungsergebnissen.

Im Juni dieses Jahres wurden von Wissenschaftern erstmals Studiendaten zu Sorafenib präsentiert, wonach eine Behandlung mit dem Medikament bei 74 Prozent der Patienten mit fortgeschrittenem Nierenkrebs eine Verkleinerung des Tumors erreicht werden konnte. In der Placebo-Gruppe war das bei 20 Prozent der Fall. Die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung erhöhte sich von durchschnittlich zwölf auf 24 Wochen. Für Kranke mit einem Nierenkarzinom im Spätstadium gab es bisher kaum eine wirksame Behandlung. Das Medikament wird derzeit auch in Studien mit Melanom- und anderen Krebspatienten erprobt. Melanome sprechen auf die herkömmliche Chemotherapie mit Zytostatika sehr schlecht an. (APA)

Share if you care.