Wenn der Koch ins Haus kommt

21. Juli 2006, 12:59
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Immer mehr ÖsterreicherInnen setzen besonders bei Festtagsmenüs auf professionelle kulinarische Hilfe

Wien - Der Truthahn ist trotz stundenlangen Bratens nicht gut durch, der Karpfen in der Pfanne völlig verbrannt und der Erdäpfelsalat matschig: Der alljährliche Kampf in der Küche am Weihnachtsabend artet regelmäßig in Katastrophen in den heimischen Haushalten aus. Während die Amerikaner für Festtage bereits eine eigene Help-Koch-Line eingerichtet haben, setzen die Österreicher auf "Laissez-faire": Nicht nur, dass sich viele Speisen liefern lassen, es kommt auch immer mehr in Mode, die Köstlichkeiten von einem angemieteten Koch zubereiten zu lassen.

"Rent a cook"

Ein solches Service bietet seit fünf Jahren der in Salzburg ansässige gebürtige Schweizer Manuel Wagner mit "Rent a cook" - laut eigenen Angaben "der Spezialist für Feste ab zwei Personen". Bevor Wagner selbstständig wurde, richtete er u.a. als Chef de Partie im Osloer Hotel Continental Empfänge für das norwegische Königshaus aus. Jetzt kann er österreichweit als Mietkoch gebucht werden. Ob Dinner for two, Aperitifs, Empfänge, Geburtstage oder andere Familienfeste und Partys, Wagner richtet sich ganz nach den kulinarischen Vorlieben der Gäste. Der ehemalige Sous-Chef im Hotel Crowne Plaza Pitter in Salzburg zaubert nicht nur die Speisen, er bedient auch die Gäste, verwendet aber sein eigenes Geschirr. Und der Genuss hält bis zum Schluss an: Der Koch verlässt die Küche so, wie er sie betreten hat.
Kosten: Je nach Entfernung variiert der Preis: Für die Anreise nach Wien etwa verlangt der Profi 250 Euro. Dazu kommen für ein Drei-Gänge-Menu für vier Personen rund 40 Euro pro Kopf. Verrechnet wird auch die Zeit, die der Gourmet in der Küche verbringt: rund 30 Euro pro Stunde. Bei "Rent a cook" muss man auf den kulinarischen Genuss auch im Urlaub nicht verzichten: Der Profi bekocht seine Kunden selbst im Feriendomizil.

"Book a cook"

Auch beim Service "Book a cook" gibt es Köstlichkeiten aus fremder Hand. Irene Weinfurter, Event- und Kreativköchin aus Wien mit - wie sie sagt - autoditaktischer Ausbildung, will Genießern Gaumenfreuden in den eigenen vier Wänden bereiten. Dabei hat der kulinarische Profi ein besonderes Augenmerk auf Bio-Produkten, in Vergessenheit geratenen Getreidesorten, Gemüse und Kräutern. Ihr Credo: "Rosmarin, Salbei und Basilikum sind das Parfum meiner lebendigen Küche." Weinfurter will Spaß am Kochen mit gesunden Lebensmitteln vermitteln - egal ob beim Orangentartar oder bei knusprigen Reisbällchen. Der Preis für ihr mobiles Home-Cooking hängt vom individuellen Gericht ab.

Catering Do & Co

Nicht nur exquisite Köstlichkeiten zu liefern, sondern sie in der hauseigenen Küche zuzubereiten, bietet schon seit Jahren das Gastronomie- und Cateringunternehmen Do & Co in Wien. Besonders zur Weihnachtszeit sind die Gourmet-Spezialisten ausgelastet. Sogar am Weihnachtsabend werden Gäste in ihren Räumlichkeiten bekocht. Der Caterer ist - wenn es sich nicht gerade um "Ausnahmezustand Weihnachten" handelt - auch ziemlich spontan. Es reicht, nur drei Tage vor dem Koch-Ereignis Bescheid zu geben. Die Speisen werden halb fertig gebracht und dann fertig gestellt - ob traditionell Wienerisches oder ausgefallen Japanisches. Gekocht wird mit eigenem Geschirr, auf Wunsch - weil die Hausherrschaften beeindrucken wollen - können aber auch hauseigene Töpfe verwendet werden.
Kosten: 62 Euro wird für die Zustellung verlangt. Für ein Vier-Gänge-Menü müssen etwa 45 Euro pro Person berechnet werden. Der Koch bekommt für zwei Stunden Mühe in der Küche 70 Euro, jede weitere Stunde kostet 20 Euro.

Traditionshaus Mörwald

Das Traditionshaus Mörwald im Ambassador lässt ebenfalls in den eigenen vier Wänden keine Wünsche offen. Bei der Menüwahl sind keine Grenzen gesetzt. Der Koch bespricht das kulinarische Verwöhnprogramm mit dem Gastgeber und bereitet das Gericht in der Hotelküche vor. Am heimischen Herd werden die Köstlichkeiten dann frisch zubereitet, versichert Sternekoch Christian Domschitz.
Kosten: 50 bis 55 Euro für ein Vier-Gänge-Menu pro Person plus 30 Euro aufwärts für die Kochstunde müssen hingeblättert werden. Um einem Sternekoch einmal in die Töpfe schauen zu dürfen, rät Domschitz aber zum "aktiven Kochen" in der Schauküche im Ambassador. Einen ganzen Tag darf man assistieren, am Abend seine Gäste unter Profi-Anleitung bekochen - Kosten 100 Euro plus zehn Euro pro Gang pro Person. Und dann steht auch ohne Mietkoch der heimeligen Gaumenfreude nichts mehr im Wege. (APA)

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