Kinojahr der schwachen Besucherzahlen

29. Dezember 2005, 16:43
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Hoffnungen auf Weihnachtswende - "Madagascar" liegt in Jahresbilanz voran

Wien - Auch "King Kong" wird das Kinojahr 2005 nicht retten können. Die österreichischen Besucherzahlen sanken nach Angaben des Fachverbands der Lichtspieltheater und Audiovisionsveranstalter in den ersten zehn Monaten, für die bis jetzt Daten vorliegen, von 16 auf 12,7 Millionen im Vergleich zum Vorjahr. Das bedeutet ein Minus von knapp über 20 Prozent.

Mit umsatzstarken Weihnachtsfilmen wie "Oliver Twist" oder "Narnia" hoffe man, den Rückgang bis zum Jahresende zumindest auf 15 bis 18 Prozent zu beschränken, so Kurt Kaufmann, Geschäftsführer des Fachverbands der Lichtspieltheater und Audiovisionsveranstalter Die Zahlen für das gesamte Jahr liegen lerst im März vor.

"Madagascar" vor "Harry Potter"

Besucherstärkste Filme waren "Madagascar" (knapp 800.000) und "Harry Potter" (knapp 650.000). Bei den österreichischen Filmen hat "We feed the World" mit über 130.000 Zuschauern ein "sensationelles Ergebnis" erzielt, so Werner Müller, Geschäftsführer des Fachverbands der Audiovisions- und Filmindustrie Österreichs, der von einem "Dokumentarfilm-Wunder" spricht. Michael Hanekes "Cache", derzeit beim Stand 33.000 Besuchern, werde auf 50.000 Zuschauer kommen.

Ob der Rückgang der Besucherzahlen im Rahmen der normalen Schwankungen liegt, wie Kaufmann meint, oder Ausdruck einer essentiellen Kinokrise ist, sei schwer zu sagen, so Müller im Gespräch mit der APA. Neben Faktoren wie der allgemeinen Wirtschaftslage, dem schwachen Filmangebot aus den USA, die ebenfalls einen Rückgang voraussichtlich acht Prozent hinnehmen müssen, der Filmpiraterie und immer stärkeren Konkurrenz durch DVD-Verkäufe spielt auch der Marktanteil der heimischen Produktion eine Rolle.

Höherer heimischer Marktanteil gewünscht

Wie eine Umfrage des Fachverbands der Lichtspieltheater und Audiovisionsveranstalter zeigt, ist der Besucherrückgang in jenen Ländern am geringsten, in denen viele einheimische Filme gezeigt werden. So gibt es in Dänemark, wo jeder dritte Film im Kino dänisch ist, überhaupt keinen Besucherrückgang. Wobei, so Müller, Länder mit einem kleineren Sprachraum diesbezüglich den Vorteil hätten, dass amerikanische Filme dort nicht synchronisiert würden. "Wer einen Film auf dänisch sehen will, muss einen dänischen Film sehen."

In Österreich hingegen ist laut Müller der Marktanteil heimischer Filme von zwei bis vier Prozent in den vergangenen Jahren auf unter zwei Prozent im Jahr 2005 gesunken, womit man zu den Schlusslichtern in Europa gehöre. Wichtig sei daher nun "ein starker filmpolitischer Akzent", auch um den Produktionsstandort Österreich zu halten.

Das Budget des Österreichischen Filminstituts betrage seit drei Jahren unverändert 9,6 Mio. Euro, die regionalen Förderungen würden nicht erhöht, und auch seitens des ORF und auf EU-Ebene seien Kürzungen zu erwarten. "Seit der Einführung der Fernsehfilmförderungsfonds Anfang 2004 und der Novellierung des Filmförderungsgesetzes zu Jahresende hat sich nichts mehr getan", so Müller, "Die Situation ist dramatisch." (APA)

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