Familiendrama in Petzenkirchen: Junge Frau bekommt keinen Mordprozess

23. Dezember 2005, 13:43
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23-Jährige tötete Freund der Mutter mit über 30 Messerstichen - Anklagebehörde billigt ihr Notwehr zu - Verfahren eingestellt

Die junge Frau, die in der Nacht zum 5. August 2005 in Petzenkirchen (Bezirk Melk) den Freund ihrer Mutter mit über 30 Messerstichen getötet hat, wird deswegen nicht vor Gericht gestellt. Die Staatsanwaltschaft St. Pölten billigt der 23-Jährigen zu, in Notwehr gehandelt zu haben. "Die gerichtliche Voruntersuchung wurde eingestellt. Die Anklagebehörde hat das Begehren nach strafgerichtlicher Verfolgung zurück gezogen", sagte Franz Cutka, Pressesprecher das Landesgerichts St. Pölten, am Donnerstag der APA.

Die 23-Jährige war in dem beschaulichen Einfamilienhaus mitten in der Nacht durch Schreie ihrer Mutter wach geworden: Der Lebensgefährte der 44 Jahre alten Unternehmerin, die gemeinsam mit diesem eine kleine Transportfirma betrieb, war unvermutet angetrunken und wütend nach Hause gekommen. Seine Freundin, die in der Firma für das Finanzielle zuständig war, während der Fernfahrer im Wesentlichen hinterm Lenkrad saß, hatte ihn zuvor telefonisch wegen seiner überhöhten Handyrechnungen zur Rede gestellt.

Handgemenge

Der vielfach vorbestrafte Gewalttäter begann deswegen einen Streit und ging mit einem Schlagstock auf seine Lebensgefährtin los. Er zertrümmerte auch das Mobiliar, nahm der Frau und der Tochter, die der Mutter zu Hilfe eilte, die Schlüssel und Mobiltelefone ab, damit diese nicht flüchten oder die Polizei verständigen konnten. Mindestens zwei Stunden dürfte der rabiate Mann dann die beiden Frauen traktiert haben.

Der Tochter gelang es schließlich, einen 34 Zentimeter langen Wehrmachtsdolch zu ergreifen. Sie begann, damit auf den ihr körperlich überlegenen Mann einzustechen. "Es hat sich ein Handgemenge entwickelt, ein Kampf auf Leben und Tod", so Peter Ficenc, Leiter der Staatsanwaltschaft St. Pölten, im Gespräch mit der APA.

Angesichts der Vielzahl der bei der Obduktion festgestellten Stich- und Schnittverletzungen mag die Notwehr-Version auf den ersten Blick verwunderlich erscheinen. "Die Anzahl der Stiche ist sicher verblüffend", räumt auch Ficenc ein. Der 59-Jährige habe allerdings "ganz massiv Gewalt geübt" und sich laut gerichtsmedizinischem Gutachten "auch noch lange gewehrt".

Vor allem aber habe sich nicht feststellen lassen, welche Stiche tödlich waren. "Weil man nicht sagen kann, ob es der Allererste oder erst die Letzten waren, können wir keine Notwehrüberschreitung beweisen", erläuterte der Behördenleiter. Nachdem auch ein Ergänzungsgutachten keine weiteren Aufschlüsse brachte, entschloss sich daher die Staatsanwaltschaft, im Zweifel zu Gunsten der Verdächtigen zu entscheiden und - wie in derartigen Fällen gesetzlich vorgesehen - das Verfahren einzustellen. (APA)

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