Streik in New York: Gewerkschaftern drohen Haftstrafen

22. Dezember 2005, 20:13
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Verhandlungen über Ende des Ausstands im öffentlichen Nahverkehr

New York - Ein New Yorker Gericht hat den Anführern der Transportarbeitergewerkschaft TWU wegen des Streiks in der Metropole Haftstrafen angedroht. Ein Richter ordnete an, dass Gewerkschaftschef Roger Toussaint und andere Funktionäre am Donnerstag vor Gericht erscheinen müssen. Eine Haftstrafe sei "eine eindeutige Möglichkeit", sagte er.

Angesichts der Strafandrohungen haben die Streikenden unterdessen eine Beendigung des Ausstands angedeutet, wenn die Änderungen an der Altersversorgung zurückgenommen würden. Gewerkschaftsanwalt Arthur Schwartz erklärte, es gebe Verhandlungen mit Unterhändlern.

Die rund 34.000 Bus- und Bahnarbeiter New Yorks hatten am Mittwoch den zweiten Tag in Folge gestreikt, obwohl ihnen das gesetzlich verboten ist. Der TWU wurde deshalb bereits eine Strafe von einer Million Dollar (842.318 Euro) pro Streiktag auferlegt. Außerdem erwägt das Gericht individuelle Geldstrafen für die Streikenden.

Pensionspläne

Die Protestaktion - der erste Streik im öffentlichen Nahverkehr New Yorks seit 25 Jahren - richtet sich unter anderem gegen Pläne der Arbeitgeber, das Pensionsalter für neue Mitarbeiter anzuheben und diese für einen Teil ihrer Altersversorgung selbst aufkommen zu lassen. Vor allem Letzteres hatte die Gewerkschafter erzürnt und zum Abbruch der Verhandlungen geführt.

Gewerkschaftschef Toussaint entschuldigte sich bei den New Yorkern für die Unannehmlichkeiten, betonte aber zugleich, die Arbeitsniederlegung sei von den Verkehrsbetrieben MTA provoziert worden. Die Bus- und U-Bahnfahrer würden ihre Arbeit wieder aufnehmen, sobald der umstrittene Vorschlag zur Altersversorgung vom Tisch sei. Der MTA-Vorsitzende Peter Kalikow wies diese Forderung umgehend zurück.

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg hatte den Streik, von dem rund sieben Millionen Menschen betroffen waren, zwar als illegal und egoistisch bezeichnet. Gefängnisstrafen für die Gewerkschaftsfunktionäre lehnte er allerdings ab. Dies würde die Verantwortlichen nur zu Märtyrern machen. Stattdessen spreche er sich für noch höhere Bußgelder aus.

Gespaltene Bevölkerung

Die Bevölkerung zeigte sich gespalten. Eine Bar drohte in einer Zeitungsanzeige damit, den Gewerkschaftsmitgliedern für jedes Getränk einen Dollar zusätzlich abzuverlangen - als Ausgleich für das schleppende Geschäft in den vergangenen Tagen.

Die Zeitung "New York Post" bezeichnete die Streikenden als "Ratten". Manche Einwohner der Ostküstenmetropole dagegen nutzten die Streiktage für sportliche Betätigungen und holten etwa ihre Inline-Skates hervor, um zur Arbeit zu kommen. (APA/Reuters/AP)

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