Erste Bank-Deal als Hilfe für rumänischen EU-Beitritt

29. Dezember 2005, 17:12
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Die Freude in Rumänien über den Einstieg der Erste Bank ist groß. Der Finanzminister glaubt, dass sogar der EU-Beitritt erleichtert würde

Bankprivatisierungen waren bisher in Rumänien noch nie ein Anlass für Glamour, doch diesmal sollte es anders sein. Zur Verkündung des Gewinners der BCR-Ausschreibung gab es eine Zeremonie, und zwar mit zwei Requisiten: einem Computer und einem Hammer. Mit dem Hammer zertrümmerte Nicolae Cinteza, Vizevorsitzender der Privatisierungskommission, zum Schluss die Festplatte des Computers.

Der Hintergrund: Der Computer hatte den Sieger "ermittelt", nachdem die Repräsentanten der zwei Finalisten, Erste Bank und die portugiesische Millenium BCP, ihre Angebote für die 61,88 Prozent der Anteile eingegeben hatten. Die Festplatte wurde nachher mit drei Hammerschlägen zerstört, um sicherzustellen, dass niemand erfährt, wie viel der unterlegene Finalist geboten hat.

Größte Privatisierung aller Zeiten

Manfred Wimmer, Strategiedirektor der Erste Bank, hielt es nachher auch nicht mehr: Er reckte beide Hände mit dem Victory-Zeichen. So kam also die BCR, Rumäniens größte Bank, das "Kronjuwel" der Branche, unter den Hammer. Es ist die größte Privatisierung aller Zeiten in Rumänien. Dass die Erste Bank für das Aktienpaket 3,75 Milliarden Euro bieten würde, übertraf die Erwartungen der einheimischen Analysten, die mit nur etwa drei Milliarden Euro gerechnet hatten.

"Die Österreicher haben sogar unser Geld gekauft", titelte leicht ironisch die regierungsfreundliche Tageszeitung Cotidianul, in Anspielung darauf, dass Österreich über die OMV bereits seit 2004 die größte Mineralölgesellschaft des Landes kontrolliert. Rumäniens Politik und Finanzwelt sind einhellig begeistert.

Finanzminister Sebastian Vladescu war sichtlich gerührt und freute sich über den "Vertrauensbeweis" für sein Land. Das Engagement der Erste Bank würde den 2007 angestrebten EU-Beitritt erleichtern, sagte er. Vladescu und die Analysten sind sich einig darüber, dass die Österreicher zudem zur Konsolidierung des gesamten rumänischen Bankensystems beitragen würden.

Viel Erfahrung

Im Subtext heißt das, dass somit kleinere, eventuell auch unseriösere Player es schwerer haben würden als bisher. Hohe Erwartungen richten sich an die Erfahrungen der Erste Bank mit der Umstrukturierung anderer Banken in der Region sowie mit der Anziehung von EU-Mitteln.

Vereinzelt hatten sich vorher einige Kommentatoren gefragt, weshalb die BCR verkauft werden müsste, wo sie doch so gut "laufe". Doch zum Schluss war allen klar, dass das Anteilspaket niemals diesen Preis erzielt hätte, wenn bei BCR nicht zwei Jahre vorher durch die 25-prozentige Beteiligung der Europäischen Bank für Entwicklung und Wiederaufbau (EBRD) und der Weltbank-Tochter IFC restrukturiert worden wäre. Der spätere Verkauf war mit beiden Partnern abgemacht.

Schon vorher hatte Bukarest die BCR angeboten und sich davon 800 Millionen Euro versprochen - allein, es fand sich kein einziger Interessent. Von der Kaufsumme bekommen IFC und EBRD dem entsprechend 40 Prozent, während die restlichen 2,2 Milliarden Euro an den rumänischen Staat gehen. Dieses Geld will Ministerpräsident Calin Popescu Tariceanu nun in einen Fonds für Infrastruktur fließen lassen, von dem Straßenbau, Gesundheits- und Unterrichtswesen profitieren sollen.

Vorerst aber kommt der Geldsegen auf ein Konto in London. Denn, so warnte der Nationalbankchef Mugur Isarescu, würden die vielen Devisen auf einen Schlag auf einem Konto in Rumänien landen, würde dies die Wechselkurse in Turbulenzen stürzen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.12.2005)

Kathrin Lauer aus Bukarest
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