Kritik an Mandela-Vergleich

21. Dezember 2005, 18:58
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"Politische Motive" des Gouverneurs für Williams Hinrichtung

Wien/Los Angeles - 1500 Menschen haben in der Kirche der African Methodist Episcopal Church in Los Angeles Platz - Dienstagmittag (Ortszeit) war jeder davon besetzt. Mit einer Trauerfeier wurde Stanley "Tookie" Williams verabschiedet, der am 13. Dezember wegen vierfachen Mordes hingerichtet worden war, nachdem Gouverneur Arnold Schwarzenegger eine Begnadigung abgelehnt hat. Unter den Gästen in der Bethel-Kirche in jenem Stadtviertel, in dem Williams Anfang der 70er-Jahre die Straßengang "Crips" mitbegründet hatte, waren auch Prominente wie der Rapper Snoop Dog und Bürgerrechtler Jesse Jackson.

Der Leichnam des 52-jährigen Williams wird verbrannt, die Asche gemäß seines letzten Willens nach Südafrika überstellt und im Beisein der Familie von Nelson Mandela verstreut werden. Der Freiheitskämpfer und frühere Präsident Südafrikas galt Stanley Williams als Vorbild - und findet sich auch in Schwarzeneggers Ablehnungsschreiben.

"Life in Prison"

Denn Williams hatte sein 1998 veröffentlichtes Buch "Life in Prison" elf Personen gewidmet: neben Mandela unter anderem Angela Davis und Malcolm X. "Die Mischung der Individuen auf dieser Liste ist seltsam. Die meisten haben eine gewalttätige Vergangenheit und einige wurden wegen abscheulicher Morde verurteilt, darunter dem Töten von Polizisten ..." urteilte der Gouverneur in seiner Ablehnung.

Für die steirische KPÖ ist die Gleichsetzung von Mandela und der Bürgerrechtlerin Davis mit gewalttätigen Kriminellen ein Beweis, dass Williams aus politischen Gründen hingerichtet worden sei - auch Davis selbst habe diese Meinung vertreten, betonte KP-Landesvorsitzender Franz Stephan Parteder. Davis, Unterstützerin der Black-Panther-Bewegung, saß in den 70er-Jahren selbst in Haft, wurde aber vom Vorwurf der "Unterstützung des Terrorismus" freigesprochen. (moe, DER STANDARD-Printausgabe 22.12.2005)

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