Eisschmelze: Biologen sorgen sich um ertrinkende Polarbären

12. Juli 2006, 14:33
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Selbstmörderisches Verhalten und Kannibalismus nehmen zu - Andere Experten bezweifeln Zusammenhang mit schmelzendem Eis

London - Der weltweite Klimawandel macht Eisbären immer mehr zu Sorgenkindern von Biologen. Berichte von selbstmörderischem Verhalten und Kannibalismus unter den Tieren verschlimmern die Befürchtungen der Forscher, dass die Art stark gefährdet ist. Entsprechende Aussagen auf einer Konferenz in San Diego präsentierte das Fachjournal "Nature". Demnach seien zuletzt mehrfach Eisbären ertrunken, weil sie sich zu lange im Wasser aufgehalten hätten. Ihnen schmelze das Eis förmlich unter den Tatzen weg und deshalb schwämmen sie deutlich weiter als sie eigentlich könnten.

Fälle von Kannibalismus

Biologen zufolge hatten sich im vergangenen Herbst 20 Prozent der Bären mehr als 150 Kilometer von der Küste im Wasser aufgehalten, während es im Vorjahr nur vier Prozent gewesen seien. Damit nehme für sie die Gefahr zu, an Erschöpfung zu sterben. Ebenfalls ein großes Problem der langen Phasen im Wasser sei der Hunger. So gebe es auch schon Berichte, nach denen Eisbären ihre Artgenossen umgebracht und verspeist hätten.

Jedoch verweist eine Vielzahl der Experten darauf, dass es bisher keine wissenschaftlichen Beweise für einen Zusammenhang zwischen der Eisschmelze und einem solchen Verhalten gebe. Dafür sei es noch zu früh. Dennoch sei die Erwartung groß, solche Vorfälle in Zukunft häufiger zu beobachten. Bereits im Juni hatten Experten geschätzt, dass der Eisbär-Bestand wegen der Eisschmelze in den kommenden 35 bis 50 Jahren um 30 Prozent abnehmen werde. (APA/dpa)

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    Biologen befürchten, dass den Polarbären buchstäblich das Eis unter den Tatzen wegschmilzt.

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