RTL: Ein Sieger und ein Flieger

27. Dezember 2005, 13:31
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Benjamin Raich siegte erstmals in der Olympia­saison, gewann den RTL in Kranjska Gora - Her­mann Maier fabrizierte spektakulären Stern

Kranjska Gora - Hermann Maier kann offenbar nicht stürzen wie gemeine Skifahrer stürzen, wenn er fliegt, dann fliegt er spektakulär. So wie am Mittwoch beim Riesenslalom in Kranjska Gora.

Der regierende Weltmeister, Zweiter nach dem ersten Lauf, verlor in der Entscheidung im Schlusshang die Kontrolle über seine Skier, es drückte ihn in einer Welle hinten hinein, die Skier beschleunigten gnadenlos, und Maier, nur noch Passagier, wurde zuerst in die Luft geschleudert, um auf dem Rücken wieder zu landen. Er räumte noch ein Werbetransparent ab, ehe das Fangnetz rettend eingriff. Maier kam laut erster Diagnose mit blauen Flecken davon.

"Wenigstens hab ich mich ins Ziel gerettet", sagte Maier, nachdem er aus eigener Kraft unten angekommen war. Und: "Ich bin zu viele Rennen gefahren, das Programm war zu dicht. Im zweiten Durchgang war ich von oben bis unten nicht mehr konzentriert." Bereits nach dem ersten Lauf hatte er geklagt: "Ich bin erledigt, habe keine Kraft mehr. Der Benni hat in Gröden zwei Abfahrtstrainings und die Abfahrt ausgelassen. Das merkt man jetzt."

Benjamin Raich frohlockte über den ersten Saisonsieg. Der fiel noch dazu überlegen aus, der Pitztaler besaß trotz 19. Zeit im Finale am Ende genau eine Sekunde Vorsprung auf Italiens Massimiliano Blardone, der am Sonntag in Alta Badia triumphiert hatte. Dritter wurde der Kanadier Thomas Grandi. "Ich habe oben einen Fehler gemacht", erzählte Raich, der Führende nach dem ersten Lauf, "und dann war ich nicht mehr der Gejagte, sondern der Jäger. Die Sicht war sehr schlecht, es war irrsinnig schwer. Aber dieser Hang liegt mir eben." Raichs letzter Weltcupsieg passierte im Februar 2005. Beim Riesenslalom in Kranjska Gora.

Sehr müde war auch Bode Miller. Nach dem ersten Lauf, den er als Fünftschnellster beendet hatte, griff er sich erschöpft auf die brennenden Oberschenkel, im zweiten schied er aus. Dennoch behält der Titelverteidiger die Weltcupführung und der Norweger Aksel Lund Svindal, der noch immer unter den Nachwirkungen seines Trainingssturzes von Gröden leidet, im Riesentorlauf aber immerhin 19. wurde, Platz zwei. Raich verbesserte sich vom neunten auf den dritten Rang.

Verpasste Chance

Die Karriere von Christian Mayer, der seinen 105. Riesentorlauf bestritt, dürfte mit einem 23. Platz zu Ende gehen. "Schauen wir einmal, was passiert. Der zweite Lauf hat ja nicht so schlecht ausgesehen. Ich warte die Analysen ab", meinte Mayer, der im Finale trotz eines schweren Fehlers Neunter war. "Vielleicht gibt es ja noch eine Chance für mich in Adelboden." Cheftrainer Toni Giger hielt sich zunächst bedeckt: "Aber es sieht nicht sehr gut für ihn aus."

Am Donnerstag steigt mit dem Slalom in Kranjska Gora das letzte vorweihnachtliche Weltcuprennen. Und für Kilian Albrecht ist es die letzte Chance, seinen Platz im ÖSV-Team zu behalten. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 22. Dezember 2005, bez, APA)

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    Eine Klasse für sich, Benni Raich.

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