Jagd auf Brandstifter beim "CSI-Alsergrund"

15. Februar 2006, 12:17
9 Postings

Mit modernsten Mitteln versuchen die Brandermittler des Bundeskriminalamtes, Feuerteufeln das Handwerk zu legen

Genauso wichtig wie die Laborfahndung sind langjährige Erfahrungen in brenzligen Situationen.


Wien - Wenn es im ersten Stock des Bundeskriminalamtes in Wien-Alsergrund "brandelt", wird nicht gleich die Feuerwehr gerufen. Denn dann hat wohl Herbert Gram wieder einmal verschmorte Gegenstände oder eine Fuhre Asche fürs Labor erhalten. Oder Christian Tisch zündelt in der von ihm konstruierten Brandversuchskammer, um etwa zu prüfen, wie lange es dauert, bis eine Zigarettenglut bei einer Zugluftgeschwindigkeit von einem km/h eine Baumwolldecke entflammt.

Die Kriminaltechniker vom "CSI-Alsergrund" kommen immer dann zum Einsatz, wenn nach einer Feuersbrunst der Verdacht einer strafbaren Handlung übrig bleibt. Wie derzeit im Fall der mutmaßlichen Brandstiftung in der Wiener Wirtschaftsuniversität (siehe Artikel links unten), die nur einen Steinwurf vom Bundeskriminalamt entfernt ist. Außerdem überprüfen die Brandermittler Kohlenmonoxid- und Stromunfälle, bei denen Menschen verletzt oder getötet werden. Deswegen gehört dem Team auch ein Elektrotechniker an; des weiteren Chemiker, ein Experte für Maschinenbau und einer für Hoch- und Tiefbau.

Im Labor wird überprüft, ob sich Erkenntnisse von Polizei oder Feuerwehr wissenschaftlich nachweisen lassen. "Für das Gericht genügt es nicht, dass zum Beispiel ein Brandmittelspürhund Spuren eines Brandbeschleunigers erschnüffelt", erklärt Laborleiter Gram. Erst wenn sich im Brandschutt flüchtige Substanzen mittels Gaschromatographie oder im Massenspektrometer nachweisen lassen, liegt ein Sachbeweis vor.

Brandherd

Der Brandherd lässt sich fast immer genau eingrenzen. "Wo es zu brennen begonnen hat, findet sich in der Regel nach dem Feuer die stärkste Zerstörung, weil es dort eben am längsten gebrannt hat", so Tisch. Bei der Begehung von Brandruinen ist nicht nur immer ein Fotograf dabei sondern auch ein Zeichner, der Pläne mit allen Details anlegt.

Bei der Ermittlung der konkreten Brandursache gehen die Spezialisten systematisch nach dem Eliminationsverfahren vor. Dazu gibt es einen Zündquellenkatalog, in dem keine Möglichkeit außer Acht gelassen wird: elektrischer Defekt, Kerze, Kamin, Sonneneinstrahlung, statische Aufladung, Löt- oder Schweißarbeiten, sogar ein Meteoriten-Einschlag ist in der Checkliste angeführt. "Letzteres ist meistens relativ rasch auszuschließen" scherzt Physik-Laborleiter Gram.

In letzter Zeit haben es die Kriminaltechniker immer öfter mit angeblichen Stromunfällen zu tun. "Das reicht vom Haartrockner in der Badewanne bis hin zum Heizstrahler, der den Schlafzimmervorhang in Brand setzt", so Tisch, der auch als gerichtlich beeideter Sachverständiger fungiert.

Angst vor Feuer haben die Brandexperten nicht. Doch wer beruflich so oft mit brenzligen Situationen zu tun hat, wird "vernünftig", wie es Tisch ausdrückt. Er hat zu Hause nicht nur einen Feuerlöscher sondern auch eine komplette Brandmeldeanlage installiert. (DER STANDARD-Printausgabe 22.12.2005)

Michael Simoner
  • Herbert Gram, Chef der Brandermittler im Bundeskriminalamt, sortiert Säcke mit Brandschutt. Oft wird erst im Labor eine Brandstiftung aufgedeckt.
    foto: regine hendrich

    Herbert Gram, Chef der Brandermittler im Bundeskriminalamt, sortiert Säcke mit Brandschutt. Oft wird erst im Labor eine Brandstiftung aufgedeckt.

Share if you care.