GEN-AU-Programm geht in die zweite Runde

28. Dezember 2005, 13:37
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Österreichisches Genom-Forschungsprogramm mit 31 Millionen Euro für drei Jahre dotiert

Wien - Die Projekte sind ausgewählt, das Geld ist gesichert, wenn auch nicht mehr als in den ersten drei Jahren: Das österreichische Genom-Forschungsprogramm GEN-AU geht derzeit in die zweite Phase. Für 2005 bis 2007 stehen erneut 31 Millionen Euro zur Verfügung. "Die Erfolge lassen sich nicht nur im europäischen, sondern auch im internationalen Rahmen sehen", erklärte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien Sektionschef Peter Kowalski, Leiter der Forschungsabteilung im Wissenschaftsministerium.

Mit den Ergebnissen der ersten Phase von GEN-AU ist man im Wissenschaftsministerium zufrieden. Markus Pasterk: "Wir hatten etwa 170 Publikationen. Bis dato wurden 15 Patente angemeldet. Wir konnten 150 bis 160 Forschern Stellen anbieten."

Die Projekte gehen von der Grundlagenforschung über die Entwicklung neuer Technologien bis zur Verbindung zwischen Grundlagenforschung mit medizinischen Anwendungen sowie Arbeiten zu ethischen, legalen und sozialen Aspekten der Gentechnik ELSA-Projekte). Der aus Österreich stammende und am Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik in Berlin arbeitende Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats von GEN-AU, Univ.-Prof. Hans Lehrach: "Das ist ein sehr konkretes Programm, das nach internationalen Maßstäben finanziell gut dotiert ist." Im Vergleich zu den Einwohnerzahlen sei GEN-AU mit Geldmitteln um den Faktor zwei besser als das deutsche Pendant ausgestattet.

Zweistufiges Verfahren

In einem zweistufigen Verfahren mit internationalen Gutachtern wurden nun die neuen Projekte ausgewählt. Pasterk: "Wir hatten rund 100 Millionen Euro Nachfrage und konnten 28 Millionen Euro vergeben. Es sind nur die allerbesten Projekte zum Zug gekommen. 60 Prozent der Mittel gehen direkt in die Universitäten, knapp zwölf Prozent an die Akademie der Wissenschaften, zwölf Prozent in die Industrie (Projekte der Industrie werden nur zu 50 Prozent unterstützt, Anm.) und noch einmal knapp zwölf Prozent in die außeruniversitäre Forschung."

Insgesamt wurden acht Verbundprojekte, in den Arbeitsgruppen verschiedener Institutionen vor allem nach neuen Erkenntnissen in der Genomforschung suchen, ausgewählt. Hinzu kommen vier Netzwerk-Projekte (Förderungsrahmen zusammen mit den Verbundprojekten: 25 Mio. Euro), die sich vor allem technologischen Aspekten widmen. Schließlich sollen in sieben Pilotprojekten (650.000 Euro) junge Wissenschafter für neue Arbeiten den "Proof of Principle", also den Nachweis der prinzipiellen Realisierbarkeit erbringen. Drei ELSA-Projekte erhalten insgesamt 975.000 Euro.

In der ersten Phase sorgte vor allem das GOLD-Programm (Genomik von Fettstoffwechselerkrankungen) unter Koordination von Univ.-Prof. Dr. Rudolf Zechner (Universität Graz) und das Epigenomik-Projekt von Univ.-Doz. Dr. Thomas Jenuwein vom Institut für Molekulare Pathologie in Wien international für Aufsehen. Drei Beispiele aus den neu ausgewählten Arbeitsgebieten: Ein Team um Univ.-Prof. Dr. Alexander Hüttenhofer (Medizinische Universität Innsbruck) wird sich den nicht-kodierenden RNA-Strängen als Regulatoren der Genaktivität widmen. Univ.-Doz. Dr. Beate Littig vom Institut für Höhere Studien in Wien wird im Rahmen eines ELSA-Projekts nach Möglichkeiten suchen, die Qualität von genetischen Beratungsgesprächen zu testen und zu verbessern. Wissenschafter vom Forschungszentrum Seibersdorf wollen Gen-Chip-Verfahren zur leichteren und schnelleren Typisierung von Salmonellen-Keimen entwickeln. (APA)

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