Aktionäre gefordert, EBRD nicht

21. Dezember 2005, 17:17
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Bundesländer-Institute zum Teil schon mit Beschlüssen, mitzuziehen - Spekulationen um neuen Kernaktionär

Wien - Die Finanzierung für den Mehrheitskauf der rumänischen Banca Comerciala Romana (BCR) steht laut Erste-Bank-Chef Andreas Treichl bereits. Er gab sich am Dienstag Abend gewiss, alle Mittel für diese 3,75 Mrd. Euro schwere Akquisition schon in der Tasche zu haben. In einem Kommunique hat die Erste Bank zuvor Planungen bestätigt," im ersten Quartal 2006 eine Kapitalerhöhung im Ausmaß von ungefähr 2,4 Mrd. Euro durchzuführen".

Details über den genauen Zeitpunkt der Jungaktien-Emission und zu Grunde liegende Organ-Weichenstellungen gab es aus kapitalmarktrechtlichen Gründen aus dem Institut auch am Mittwoch zunächst nicht.

Aus einzelnen Bundesländersparkassen - etwa aus Kärnten - liegen auf APA-Anfrage schon dezidiert Bestätigungen vor, bei der anstehenden Kapitalerhöhung der Ersten mitmachen zu wollen.

Im Markt kursieren seit Tagen Spekulationen, wonach ein neuer Mit-Aktionär bei der börsenotierten Bank in Wien einsteigen und den Mega-Deal der Ersten so begleiten könnte. Dass ein solcher kapitalkräftiger, auf Osteuropa-Engagements gerichteter "unverdächtiger" Aktionär etwa die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) sein könnte, wird am Mittwoch gegenüber der APA ebenso wenig bestätigt wie andere Spekulationen dieser Art. Bei der EBRD gab es dazu bis jetzt jedenfalls keine solche Anfrage. Sie käme - weil primär in Ostbanken oder Ostholdings engagiert - dafür auch weniger in Frage.

Ein gutes Drittel der Erste Bank-Aktien hält die Erste-Stiftung, genau 32,2 Prozent der Aktien. Demnach ist der Bank-Anteil der Erste Bank Privatstiftung heute rund 3,5 Mrd. Euro wert.

Diese Stiftung müsste, zieht sie voll mit, als Einzelaktionärin betrachtet den Löwenanteil der Kapitalerhöhung aufbringen. Nimmt sie ihre Bezugsrechte nicht oder nicht voll wahr, fällt sie deutlich zurück.

Aktionärskreis

Zum derzeitigen Aktionärskreis: Die Erste Bank Stiftung ist eine der größten Stiftungen Europas, mit 32,2 Prozent ist sie größte Aktionärin der börsenotierten Bank. Die Sparkassen sind mit 7,1 Prozent beteiligt, der Austria Versicherungsverein mit 6 Prozent. Mit 1,8 Prozent sind die Mitarbeiter am Aktienkapital vertreten. In Händen Privater sind 7 Prozent der Aktien. Institutionelle halten heute knapp 46 Prozent.

Stockt die Erste Bank ihr Kapital tatsächlich um 2,4 Mrd. Euro auf, ist das eine Erhöhung um knapp ein Viertel. Laut "Kurier" würde das die Aktionärsstruktur der Erste Bank einigermaßen durcheinander wirbeln. Die Stiftung würde auf knapp 25 Prozent absinken, die Sparkassen (deren Leitinstitut die Erste ist) würden ohne Mitziehen auf knapp 5 Prozent sinken.

In Börsianerkreisen wurde daher die Aussage der Bank, "alle möglichen Optionen zu prüfen", mit Interesse registriert. So wird nicht für ausgeschlossen gehalten, dass die Erste neue Wege beschreitet. Denkbar ist laut "Kurier" etwa, dass die Erste die Kapitalerhöhung nutzt, um sich neue Kernaktionäre zu sichern. Das könnte die Wiener Städtische Versicherung sein (die mit der AVS sogar einen Syndikatsvertrag abschließen könnte). Auch die Tageszeitung nennt heute die "Osteuropabank" EBRD, die mit dem BCR-Deal gerade innerhalb eines Jahres 640 Mio. Euro verdient habe. (APA)

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