Bus- und U-Bahn-Streik in New York:Gewerkschaftern droht wegen Streiks Haftstrafe

22. Dezember 2005, 09:24
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New Yorker am dritten Tag ohne Bus und Bahn auskommen

New York - Ein New Yorker Gericht hat den Anführern der Transportarbeitergewerkschaft TWU wegen des Streiks in der Metropole Haftstrafen angedroht.

Ein Richter ordnete an, dass Gewerkschaftschef Roger Toussaint und andere Funktionäre am Donnerstag vor Gericht erscheinen müssen. Eine Haftstrafe sei "eine eindeutige Möglichkeit", sagte er.

Die rund 34.000 Bus- und Bahnarbeiter New Yorks haben am Mittwoch den zweiten Tag gestreikt, obwohl ihnen das gesetzlich verboten ist. Am Dienstag wurde der Gewerkschaft deswegen bereits eine Strafe von einer Million Dollar pro Streiktag auferlegt. Außerdem erwägt das Gericht individuelle Geldstrafen für die Streikenden.

Die Protestaktion richtet sich unter anderem gegen Pläne der Arbeitgeber, das Renten-Alter für neue Mitarbeiter anzuheben und diese für einen Teil ihrer Altersversorgung selbst aufkommen zu lassen.

Aufruf zur Arbeit

Bürgermeister Michael Bloomberg rief die Beschäftigten des öffentlichen Nahverkehrs dazu auf, zur Arbeit zurückzukehren. Sie sollten auf das Gericht hören und an "ihre eigenen Familien und ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen" denken. Auch zahlreiche Bürger äußerten Unverständnis für den ersten Streik im öffentlichen Nahverkehr seit 25 Jahren. "Es ist zu kalt für sowas", sagte der 55-jährige Jose Cepedes, als er sich am Dienstagabend zu Fuß auf den Weg zu seiner 25 Blocks entfernten Wohnung machte. "Ich bin sehr enttäuscht, dass keine Seite an die Gemeinschaft gedacht hat."

Streikposten an der U-Bahn-Strecke von der Bronx nach Manhattan zeigten sich jedoch entschlossen, weiterzumachen. "Wir sind es leid, wie Abfall behandelt zu werden", sagte einer von ihnen, der 32-jährige Angel Ortiz.

Verteidigung

Auch die Transportarbeitergewerkschaft verteidigte sich gegen die Kritik und erklärte, bei einem Überschuss von einer Milliarde Dollar (830 Millionen Euro) hätten die Arbeitgeber auf die Lohnforderungen der Bediensteten eingehen sollen. Die Verhandlungen waren am Montagabend gescheitert. Besonders umstritten waren offenbar die Bedingungen für die betriebliche Rente. Die New Yorker Nahverkehrsgesellschaft MTA forderte, dass die Beschäftigten ihren Eigenbeitrag zu dieser Alterssicherung von derzeit zwei Prozent ihres Gehalts auf sechs Prozent steigern. "Ohne das Rententhema würden wir nicht streiken", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Roger Toussaint dem Lokalsender NY1.

Der Dachverband der Gewerkschaft, International TWU, hatte sich gegen den Streik ausgesprochen. Zur Begründung verwies der Vorsitzende Michael O'Brien auf das gesetzliche Streikverbot. Nur Verhandlungen könnten zum Ziel führen, sagte O'Brien.

Nach Schätzungen des Stadtkämmerers dürfte der Streik New York allein am ersten Tag 400 Millionen Dollar (335 Millionen Euro) an entgangenen Einnahmen gekostet haben, für jeden weiteren Tag kämen 300 Dollar hinzu. Einnahmeausfälle drohen vor allem Restaurants, Lokale und dem Einzelhandel, dem nun ein Teil des Weihnachtsgeschäfts entgeht. (APA/AP)

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