Geiselnahme in Wien kostete drei Menschen das Leben

21. Dezember 2005, 13:50
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OPEC-Überfall hielt Österreich in Atem

Wien - Vor 30 Jahren, am 21. und 22. Dezember 1975, hielt der Überfall auf die OPEC-Ministerkonferenz samt anschließender Geiselnahme Österreich und die Welt in Atem. Ein sechsköpfiges Kommando unter dem venezolanischen Top-Terroristen Illich Ramirez Sanchez, genannt "Carlos", dem die deutschen Terroristen Hans-Joachim Klein und Gabriele Kröcher-Tiedemann sowie drei Palästinenser angehörten, hatten das OPEC-Quartier in Wien überfallen, dabei wild um sich geschossen, drei Menschen getötet und 62 Personen - inklusive elf Erdöl-Ministern - in ihre Gewalt gebracht.

Bei den Toten handelte es sich um einen irakischen Sicherheitsmann, einen Wiener Kriminalbeamten und einen libyschen Delegierten, dessen Leiche erst nach dem Abzug der Terroristen mit ihren Geiseln 21 Stunden später gefunden wurde. Angeschossen wurde auch ein weiterer österreichischer Beamter, der im Gegenzug Klein durch einen Bauchschuss schwer verletzte.

Das Terror-Kommando, das sich "Arm der arabischen Revolution" nannte, erzwang die Verlesung eines sechseinhalbseitigen Komminiques alle zwei Stunden im Radio. Darin hieß es, das arabische Volk sei von einem "gewaltigen Komplott" bedroht, das in einer Kapitulation vor dem Zionismus gipfeln würde. Beteiligt daran seinen nicht nur der "amerikanische Imperialismus" (USA) und "zionistische Aggressoren" (Israel), sondern auch "kapitulationsbereite" arabische Regierungen. Letztere - allen voran der damalige ägyptische Präsident Anwar al-Sadat und der Schah von Persien - wurden als "Verräter" an der arabischen und palästinensischen Sache bezeichnet. Am Ende des Kommuniques entschuldigte sich der "Arm der arabischen Revolution" für die "Schwierigkeiten, die unsere Aktion dem friedliebenden österreichischen Volk gebracht hat".

Die Terroristen bestanden zunächst darauf, mit dem libyschen Botschafter zu verhandeln, der sich allerdings gerade in Prag aufhielt. Das Kommando nahm schließlich mit dem irakischen Geschäftsträger vorlieb und "entsandte" seinerseits den algerischen Erdölminister als Verhandler. Für den Fall, dass ihre Bedingungen - dazu gehörte die Bereitstellung eines Flugzeugs - nicht erfüllt würden, drohten die Terroristen, im Abstand von 15 Minuten Geiseln zu erschießen.

Nach zähen Verhandlungen einigte man sich darauf, dass österreichische und in Österreich lebende Geiseln frei gelassen würde, während die Terroristen mit den restlichen Geiseln in einer AUA-Maschine das Land verlassen sollten.

Am Vormittag des 22. Dezember flogen die Terroristen mit 33 Geiseln vom Flughafen Wien-Schwechat ab. Aufsehen erregte dabei ein Händedruck zwischen Carlos und dem österreichischen Innenminister Otto Rösch (S), der als "Kniefall" des Politikers interpretiert wurde.

Die Maschine flog schließlich nach Algier, wo ein Teil der Geiseln frei gelassen wurden, startete wieder und kehrte zurück. Dann waren alle Opfer frei, die Täter wurden vorübergehend festgenommen und reisten später nach Libyen aus. (APA)

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