Saddam: "Ich wurde gefoltert"

24. Dezember 2005, 10:44
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Ex-Präsident: "Jede Stelle meine Körpers ist geschlagen worden, und die Male sind auf meinem ganzen Körper zu sehen" - US-Regierung: "Absurd"

Bagdad - Der irakische Ex-Präsident Saddam Hussein hat den USA vorgeworfen, ihn in der Haft gefoltert zu haben. "Ich bin von den Amerikanern geschlagen und gefoltert worden", sagte der frühere Machthaber am Mittwoch vor Gericht in Bagdad. "Jede Stelle meine Körpers ist geschlagen worden, und die Male sind auf meinem ganzen Körper zu sehen."

US-Regierung: "Absurd"

Das US-Präsidialamt hat die Foltervorwürfe von Saddam Hussein als absurd zurückgewiesen. "Das ist eines der absurdesten Dinge, die ich von Saddam Hussein in letzter Zeit gehört habe", sagte Präsidialamtssprecher Scott McClellan in Washington. "Saddam Hussein wird völlig anders behandelt als jene, die er inhaftieren und foltern ließ, nur weil sie ihre Meinung geäußert haben."

Scharfe Attacken im Prozess

Im Prozess gegen Saddam und sieben seiner Getreuen haben einander Anwälte, Angeklagte, Richter und Zeugen am Mittwoch scharf attackiert. Das Sondertribunal kritisierte zugleich die US-Armee, weil diese am vergangenen Wochenende zwei Dutzend ehemalige Größen des Regimes Saddam Husseins aus einem Militärgefängnis freigelassen hatte, ohne die Richter zu konsultieren. Unter ihnen waren auch die einst in der Waffenforschung des Präsidenten tätigen Wissenschafterinnen Rihab Taha und Huda Ammash.

Zwischenrufe

Saddam Hussein bezeichnete den Vorsitzenden Richter Rizgar Mohammed Amin am Mittwoch als "Richter der amerikanischen Besatzer in Bagdad". Als der Zeuge Ali al-Haidari (37) berichtete, wie er und seine Familie aus der Kleinstadt Dujail von Saddam Husseins Schergen einst gefoltert und gedemütigt worden waren, rief der Angeklagte dazwischen, er wolle nun sein Gebet verrichten. Der Richter ging nicht darauf ein.

Al-Haidari sagte unter anderem aus, mehrere Frauen und Kinder aus seiner Heimatstadt seien in der Nähe eines Wüstengefängnisses in Samawa lebendig begraben worden. Er erklärte, Saddam Husseins ebenfalls angeklagter Halbbruder Barzan al-Tikriti habe die Folter der Menschen 1982 überwacht, nachdem ein Attentat auf den Machthaber in Dujail fehlgeschlagen war. Sieben seiner Brüder seien hingerichtet worden. Der Halbbruder Saddam Husseins gab an, Al-Haidari habe zu den Attentätern gehört.

Proteste in Tikrit

Saddam Hussein nahm mit einem Lächeln auf der Anklagebank Platz, nachdem er bei der vorangegangenen Sitzung die Teilnahme verweigert hatte. In seiner Heimatstadt Tikrit protestierten Anhänger des Ex-Präsidenten gegen den Prozess. Vor der Wiederaufnahme des Verfahrens hatte Richter Amin Kritik an seiner Prozessführung zurückgewiesen. Er sei unabhängig und sorge dafür, dass das Verfahren "juristisch korrekt" ablaufe. Deshalb werde er sich von der Kritik einiger Politiker und Medien nicht beirren lassen, sagte Amin gegenüber der arabischen Zeitung "Al-Hayat" (Mittwoch-Ausgabe).

Kritik an den Richtern des Sondertribunals äußerte auch Justizminister Abdul Hussein Shandal. Er erklärte: "Den Richtern, die diese Sitzungen leiten, fehlt die Kompetenz." Es sei schlecht, wenn sich Amin mit den Angeklagten über Verfahrensfragen streite und wenn einige Angeklagte Richter und Staatsanwalt beschimpften. (APA/Reuters)

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New York Times: Hussein Accuses U.S. Guards of Torture (Gratis-Registrierung erforderlich)

  • Konfrontation mit der Vergangenheit: Der Überlebende einer Strafaktion gegen das Dorf Dujail 1982 schilderte wenige Meter von Saddam entfernt seine Erfahrungen mit der Folter.
    foto: epa

    Konfrontation mit der Vergangenheit: Der Überlebende einer Strafaktion gegen das Dorf Dujail 1982 schilderte wenige Meter von Saddam entfernt seine Erfahrungen mit der Folter.

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