USA "enttäuscht" über Hamadis Entlassung

22. Dezember 2005, 13:43
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Libanon weist Forderung nach Auslieferung zurück: "Sie hätten Deutschland bitten können"

Washington - Die US-Regierung hat ihr Bedauern über die Entlassung des Libanesen Mohammed Ali Hamadi (Hammadi) aus deutscher Haft geäußert. Außenamtssprecher Sean McCormack sagte am Dienstag: "Wir sind enttäuscht, dass er vor Ablauf seiner Haftstrafe freigelassen wurde". Washington werde jetzt vom Libanon seine Auslieferung verlangen. "Die USA werden alles tun, damit diese Person der US-Justiz zugeführt wird." Ein Auslieferungsabkommen zwischen der USA und dem Libanon gibt es aber nicht, wie McCormack eingestand.

Der Libanon hat Forderungen nach einer Überstellung Hammadis in die USA zurückgewiesen. "Sie hätten Deutschland bitten können, ihn zu überstellen", sagte Ministerpräsident Fouad Siniora am Mittwoch. "Er hat seine Strafe in Deutschland verbüßt und es gibt Maßnahmen, die im Libanon vorgenommen werden. Warum fragen sie jetzt uns?"

Hammadi steht in den USA unter Anklage wegen des Mordes an dem US-Kampftaucher Robert Dean Stethem 1985. In Deutschland war er zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Seine Entlassung vergangene Woche nach 19 Jahren fand statt, obwohl Deutschland nach Angaben aus Diplomatenkreisen das Interesse der USA an seiner Auslieferung bekannt gewesen sei.

Siniora zufolge war Hammadi ähnlich lange in deutscher Haft, wie er es auch im Libanon gewesen wäre. Zudem werde geprüft, ob seine Verbrechen unter eine nach dem Krieg von 1975 bis 1990 erlassene Generalamnestie fällt. Ein Sprecher des US-Außenministeriums hatte am Dienstag erklärt, die USA würden alles unternehmen, um Hammadi vor ein amerikanisches Gericht zu bringen. Zwischen beiden Staaten gibt es kein Auslieferungsabkommen.

Hammadi war 1987 auf dem Frankfurter Flughafen mit Flüssigsprengstoff im Gepäck festgenommen worden und wurde 1989 in Frankfurt verurteilt. Einen damaligen Auslieferungsantrag der USA hatte Deutschland mit der Begründung abgelehnt, ihm drohe bei einer Verurteilung in den USA die Todesstrafe.

Nach Angaben des deutschen Justizministeriums lag der Regierung aktuell kein Auslieferungsersuchen der USA vor. Aus Berliner Regierungskreisen verlautete zudem, den Amerikanern sei bekannt gewesen, dass Entlassung und Abschiebung bevorstünden. Während der gesamten Haftzeit Hammadis sei kein US-Auslieferungsantrag eingegangen. (APA)

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