
Eine Einschätzung, die zumindest kurzfristig heftig danebenlag. Allein am Dienstag schlugen Täter in Wien und Kärnten zu. Das kriminelle Trio, das Dienstagmorgen in Wien-Brigittenau eine Bank-Austria-Filiale ausgeraubt hat, wird allerdings keine Freude am Coup haben. Denn einer der unbekannten Täter steckte das Alarmpaket ein, das im Fluchtwagen explodiert ist. Erfolgreicher war ein Einzeltäter, der gegen 14 Uhr in Kühnsdorf (Bez. Völkermarkt) in einer Bank 20.000 Euro erbeutete und vorerst erfolgreich zu Fuß flüchten konnte.
Geldinstitute und Postämter
Speziell in Wien bleiben Geldinstitute und Postämter damit ein verlockendes Ziel für Räuber, die Zahl der Überfälle stagniert auf hohem Niveau. 62-mal musste die Polizei heuer schon ermitteln, im Vorjahr waren es bis zum 20. Dezember 67 Fälle. Zum Vergleich: In den Jahren 2000 und 2001 gab es im Vergleichszeitraum nur 31 Delikte.
Vor eineinhalb Jahren fand daher der erste von mehreren "Sicherheitsgipfeln" zwischen Wiener Exekutive und Banken statt. Landespolizeikommandant Roland Horngacher war für eine Stellungnahme zum offenbar mäßigen Erfolg dieser Treffen nicht erreichbar. Wolfgang Pettighofer, Geschäftsführer der Sparte Banken und Versicherungen bei der Wiener Wirtschaftskammer, gesteht dagegen die schwierige Lage ein: "Sicherheit ist nach wie vor das Thema Nummer eins, an dem wir weiter arbeiten müssen." Allerdings habe es schon wesentliche Verbesserungen gegeben, die sich mittelfristig auswirken sollten: bessere Überwachungskameras und die automatische Alarmierung der Grenzübergänge, beispielsweise.
Maßnahmen, die das Risiko der Täter, erwischt zu werden, deutlich erhöht haben, wie Gerald Hesztera, der Pressesprecher des Bundeskriminalamtes, überzeugt ist. In ganz Österreich sank die Zahl der Überfälle bis November um fast 14 Prozent von 109 auf 94 Delikte, gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote von 42,2 auf 56,4 Prozent, rechnet er vor. Allerdings ist in diesen Zahlen noch nicht der gesamte Advent enthalten. Und gerade in der Vorweihnachtszeit fand im langjährigen Schnitt jeder fünfte Bankraub statt. (Michael Möseneder, DER STANDARD - Printausgabe, 21. Dezember 2005)
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