US-"Kunstweine"-Import verpönt

27. Dezember 2005, 10:24
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EU-Rat stimmt dem Wein-Abkommen mit den USA trotz Kritik zu. Für den Handel im Top-Bereich sieht Österreichs Weinbau-Präsident Josef Pleil Pleil derzeit kaum Auswirkungen

Brüssel/Wien – Der neue deutsche Agrarminister Horst Seehofer ging am Dienstag kampfeslustig in das Treffen mit seinen EU-Kollegen, bei dem das Wein-Abkommen zwischen der EU und den USA auf der Tagesordnung stand. "Es kann nicht sein, dass amerikanische Kunstweine auf den Markt gelangen, ohne dass der Verbraucher dies auf dem Etikett erkennen kann. Der Markt würde mit billigen Laborweinen überschwemmt."

Österreichs Landwirtschaftsminister Josef Pröll sagte vor dem Treffen, er sehe das Abkommen sehr kritisch. Österreich, Deutschland und Portugal stimmten schließlich bei der Abstimmung am Montagabend dagegen, Griechenland enthielt sich. Frankreich, Italien und Spanien übten zwar Kritik am Abkommen, votierten dann aber dafür. Der Hintergrund: hätte nur eines dieser Länder auch dagegen gestimmt, wäre das Abkommen blockiert worden.

Schließlich sind die USA der wichtigste Markt für Europas Winzer. 2004 machten die Exporte rund zwei Milliarden Euro aus. US-Winzer exportierten Weine im Wert von rund 480 Millionen Euro nach Europa, was einen Anstieg um rund dreißig Prozent binnen eines Jahres bedeutete. Die USA hatten bereits mit einem Verfahren vor der Welthandelsorganisation gedroht.

Österreichs Weinbau-Präsident Josef Pleil zählte auf den Widerstand von Pröll. Österreich und Deutschland seien von Anfang an dagegen gewesen. Was Europa dafür zugestanden bekäme, seien "Peanuts", im Vergleich zur Anerkennung umstrittener önologischer Verfahren (wie die Verwendung der Spinning Cone Column). "Mir geht es um das Brechen eines Grundsatzes", so Pleil, nämlich dessen, was Wein sei. Nach europäischer Auffassung "ist Wein aus dem Saft von Trauben, die vergoren wurden". Die USA sagten, dass alles, was Wein nicht giftig mache, gültig sei, also könne man auch bis zu 35 Prozent Wasser dazu geben.

Das Abkommen habe zwar "keine Auswirkungen für das österreichische Weingesetz", aber was in der EU gelte, "gilt auch hier". Für den Handel im Top-Bereich sieht Pleil derzeit kaum Auswirkungen. Probleme würden im Billigsegment kommen. Ziel sei, in das Abkommen hineinzureklamieren, dass die Anerkennung von technischen Verfahren über die OIV (internationale Weinbauorganisation) erfolgen müsse, in der die USA aber kein Mitglied sei, weil sie 2001 wegen der Ablehnung ihrer Ansinnen austraten. (Alexandra Föderl-Schmid/Luzia Schrampf, DER STANDARD – Printausgabe, 21. Dezember 2005)

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    16 Meter hohe Weinfermenter in Lodi in Kalifornien.

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