Vereint im Plus, fünf Unis allein im Minus

9. März 2007, 11:07
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Der erste Jahresabschluss der Unis weist in Summe einen Gewinn von 42 Millionen Euro aus. Fünf der 21 Unis schreiben leichte Verluste

Wien – Zieht man unter die Jahresbilanzen 2004 aller 21 Universitäten in Österreich einen Strich und zählt die Ergebnisse zusammen, kommt ein Gesamtgewinn von 42 Millionen Euro heraus. Im Jahr eins als autonome Einheiten, zu denen sie das Unigesetz 2002 gemacht hat, bilanzieren die Unis vereint also positiv. In der Einzelwertung hingegen schreiben 16 Unis in der Bilanz einen Gewinn und fünf einen Verlust.

Der Finanzmittelüberschuss (Cashflow) ist bei jeder Uni positiv, in Summe beträgt er 183 Millionen Euro, sagte Hochschulsektionschef Friedrich Faulhammer Montagabend bei der Bilanzpräsentation im Bildungsministerium. Der Cashflow erfasst nur die echten Zahlungsmittelströme, also das, was an Finanzmitteln mehr hineingekommen ist, als ausgegeben wurde. Bei Gewinnen können auch Abschreibungen berücksichtigt werden.

Zielpunkt null

Die Verluste von fünf Unis irritieren Faulhammer nicht: "Sie haben schon Geld investiert und nicht angespart." Generell täten sich große Unis aufgrund des im Verhältnis geringeren Personalaufwands (im Schnitt sind 65 Prozent der Uniausgaben Personalkosten), leichter als kleine.

Aber, ergänzte Ministeriumsexperte Erich Mayer, die meisten Unis bewegten sich "bei der Null-Linie, wo sie auch hingehören. Das sind ja keine Wirtschaftsunternehmen." Auch für Faulhammer ist "nicht entscheidend, wie viel Gewinn gemacht wurde, sondern welche Leistungen die Unis erbringen".

Bildungsministerin Elisabeth Gehrer sah in den Unibilanzen einen Beleg dafür, dass "unsere Universitäten zukunftsorientiert sind, neue Handlungsspielräume nutzen und sehr gut wirtschaften".

Der in der Rektorenkonferenz für Finanzen zuständige Vizepräsident Manfried Gantner von der Uni Innsbruck sagte im Standard-Gespräch: "Dieser Gewinn ist kein Beweis, dass die Unis zu viel Geld hätten. Das Ergebnis ist weder Grund zum Jubeln noch zum Jammern, sondern eine Grundlage für künftige Vergleiche. Wir bilanzieren zwar wie Unternehmen, aber wir sind keine Unternehmen."

Die Einnahmen seien von dem zugewiesenen Globalbudget (1,8 Mrd. Euro; dazu 375 Mio. Euro Studien- und Lehrgangsgebühren, 91 Mio. Euro Forschungsgeld ohne Forschungsförderungsfonds) abhängig, das Leistungsangebot im Studienbereich könne "nicht beliebig geändert werden", den Personalbereich könnten die Unis im Beamtenbereich auch "nicht einfach aufblasen oder verkleinern. Wir haben nicht die Handlungsspielräume wie Wirtschaftsbetriebe", sagt Gantner. Daher hätten viele Unis "auch Mittel zurückgehalten und gesagt, bevor unser Entwicklungsplan nicht fertig ist, investieren wir nicht beliebig". (DER STANDARD-Printausgabe, 21.12.2005)

Von Lisa Nimmervoll
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