Der gelehrige Terminator hat ausgedient

20. Dezember 2005, 19:10
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Neues Rollenbild für Schwarzenegger

Die Konfusion um Politik und Fiktion gerät im Fall Arnold Schwarzenegger immer mehr zur Farce. Der Anlass der gegenwärtigen Auseinandersetzung um seine Person, die Hinrichtung von Stanley "Tookie" Williams, berührt zwar eine Grundfrage jeder aufgeklärten Demokratie. Allerdings stellt sich die Frage, wem mit dem Kampf um Symbole, der sich hier am Grazer Stadium entzündet hat, tatsächlich geholfen ist.

Die Star-Persona einer einstigen Hollywoodgröße wird mit der Star-Persona eines Neopolitikers vermischt. Die Verquickung von Bildern aus unterschiedlichen medialen Sphären ist symptomatisch für ein mangelndes Differenzierungsvermögen. Auf dieses Missverstehen setzt die Politik, und zwar nicht nur in den USA und nicht erst seit Ronald Reagan. Schwarzenegger haben beim Wechsel in das Amt des Gouverneurs die Vergleiche mit seiner markantesten Filmfigur, dem Terminator, nicht geschadet. "I will go to Sacramento and I will clean house", bereits mit dieser Ansage schloss er rhetorisch ganz bewusst an Filme an.

Mitunter muss man jedoch Filmfiguren vor dem Zugriff der Politik in Schutz nehmen. Der Terminator hat in seiner Filmlaufbahn eine Entwicklung genommen, die schon für einen Menschen erstaunlich wäre - umso mehr für einen Cyborg. Aus dem Abgesandten einer postapokalyptischen Zukunft, der einen reinen Tötungsauftrag zu exekutieren hatte, wurde bereits im zweiten Teil eine Form von Vaterfigur mit Beschützerfunktion.

Auslaufmodell

In der dritten Episode agierte die Maschine mit Herz bereits wie ein moderner Soldat: Er eignete sich kulturelle Skills an und scannte nach der Arbeit artig den Schauplatz nach Opfern ab. Die Vermenschlichung der Maschine ging mit einem technologischen Rückschritt einher. Je humaner, desto verletzlicher wurde der Terminator auch. Und desto selbstironischer kommentierte er den eigenen Status als Auslaufmodell.

Diese Entwicklung will sich der Politiker Schwarzenegger offenbar ersparen. In dieser Rolle bleibt demonstrative Stärke gefragt. Eine Entscheidungsstärke, die, anders als die individuellen Handlungsstrategien im Actionkino, von weitaus mehr abhängt als vom eigenen Ermessen. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD - Printausgabe, 21. Dezember 2005)

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