Zypriotische Regierung empört über Cherie Blair

20. Dezember 2005, 16:08
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Kritik an Rolle der Frau des britischen Premiers als Rechtsanwältin

Nikosia - Cherie Blair (51), die Ehefrau des britischen Premierministers Tony Blair, hat bei der zypriotischen Regierung Empörung hervorgerufen. Als Rechtsanwältin vertritt sie die britische Erwerberin eines Ferienhauses, das im türkisch besetzten Norden der Mittelmeerinsel liegt. Das Gebäude steht nach Auffassung der zypriotischen Justiz auf einem illegal gekauften Grundstück eines griechischen Zyprioten, der nach der türkischen Militärintervention 1974 aus dem Norden geflüchtet war. Der Alteigentümer klagte vor einem britischen Gericht.

Die Regierung in Nikosia kritisierte am Dienstag das Engagement von Cherie Blair in dem Streitfall als "Provokation". Ihre Eigenschaft als Advokatin lasse sich in diesem Fall nicht von der Tatsache trennen, dass sie die Frau des britischen Premiers sei. Damit werde der Eindruck erweckt, wer illegal Boden im Norden Zyperns kaufe, könne indirekt mit der Hilfe des britischen Regierungschefs rechnen, verlautete aus Kreisen der zypriotischen Regierung. Zypern war vor 1960 britische Kronkolonie.

Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte von 1998 und Sanktionsdrohungen des Europarates hatte die Türkei 2003 einer griechischen Zypriotin, die nach der türkischen Invasion enteignet und vertrieben wurde, 1,12 Millionen Euro Entschädigung zahlen müssen. Die "Türkische Republik Nordzypern" (KKTC) wird nur von der Türkei anerkannt.

Völkerrechtlich ist die ganze Insel seit 1. Mai 2004 EU-Mitglied, doch findet das Regelwerk der Union im Norden keine Anwendung. Der von UNO-Generalsekretär Kofi Annan vorgelegte Wiedervereinigungsplan, der einen Bundesstaat aus zwei ethnischen Kantonen zum Ziel hat, war von den griechischen Zyprioten in einem Referendum verworfen worden, weil er der überwiegenden Mehrheit der nach der türkischen Invasion vertriebenen 200.000 griechischen Zyprioten und deren Nachkommen die Rückkehr in ihre Heimatorte verwehrte, zugleich aber vorsah, dass ein großer Teil der von der Türkei angesiedelten 110.000 Festlandtürken und der schätzungsweise 35.000 Mann starken türkischen Truppen auf der Insel bleiben kann. (APA/dpa/AFP)

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