Mein Partner für die Lebenswissenschaft

20. Dezember 2005, 18:15
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Die Life-Science-Szene in Österreich versucht sich schon seit einiger Zeit in Kooperationen mit östlichen Nachbarländern. Nicht zuletzt wegen des lieben Geldes. Der durchschlagende Erfolg blieb bisher aus. Jetzt will man einen Katalog der Wissenskompetenz im Osten erstellen

Biotech-Labors in den östlichen Nachbarländern Österreichs haben einen ganz entscheidenden Vorteil: Ihre wissenschaftlichen Mitarbeiter genießen den Ruf, hervorragend ausgebildet zu sein. Ein Grund, warum einige heimische Life-Science-Unternehmen über die Ostgrenzen gehen, um dort präklinische oder klinische Test ihrer Produkte durchführen zu lassen. Ein weiterer Grund, der doch auch recht motivierend wirken kann, diesen scheinbaren Umweg in das Ausland zu machen: Die Preise für derartige Hilfsleistungen liegen deutlich unter jenen, die man etwa in Wien oder Niederösterreich, den heimischen Life- Science-Hochburgen, zahlen muss.

Da und dort hat man schon Kontakte geknüpft. Eine Anlaufstelle ist etwa das Südmährische Innovationszentrum, das die Zusammenarbeit von Wissenschaftern, Investoren und Sponsoren mit dem Ziel innovative Technologien in die Praxis umzusetzen, fördert. Eine andere der als sehr umtriebig bezeichnete ungarische Life-Science-Unternehmer Ernö Duda mit seiner Firma Solvo, Direktor der „Hungarian Biotechnology Assoziation“.

Nun will man in der Niederösterreichischen Regionalentwicklungsagentur Ecoplus einen Katalog der wissenschaftlichen Kompetenz in den östlichen Nachbarländern erstellen, um rund um diese beiden derzeit dominierenden Kooperationspartner ein Netz der Partnerschaften über die Grenzen aufbauen zu können, wie Rupert Körber, Manager des Technopols Krems, erzählt. Bloß in Tschechien würde es schon mehr wissenschaftlichen Nachwuchs geben als in Österreich, sagt Körber. „Wir wollen nun wissen, mit welchem Projekt man sich wohin wenden kann.“ Auch in Ungarn gäbe es viel Potenzial, sagt Martin Spatz, Projektmanager bei der Förderbank Austria Wirtschaftsservice (AWS). Vergleichsweise vernachlässigbar dagegen die Life-Science- Szene in der Slowakei und in Slowenien.

Gewebetransfer

Auf österreichischer Seite sei klar, wo Kooperationsmöglichkeiten bestünden. Allein im von Körber betreuten Technopol gibt es einige Firmen, die Interesse an einer gedeihlichen Zusammenarbeit mit Biotech-Unternehmen jenseits der Ostgrenze haben: Ars Arthro zum Beispiel, auf Gewebenachzüchtungen (Tissue Engineering) spezialisiert, möchte den Gewebetransfer über die Grenzen forcieren. Auch Biotec Systems, auf Entwicklung und Herstellung von medizintechnischen Produkten für die Leberersatztherapie und die Behandlung von Multiorganversagen spezialisiert, habe über den deutschen Mutterkonzern Fresenius Medical Care Kontakte in den Osten. Angst davor, die Konkurrenz im Ausland durch Kooperationen auch noch zu fördern, hat man nicht. Was einen einfachen Grund hat. Biotech- Firmen in Tschechien oder Ungarn sind keine Konkurrenz für heimische Unternehmen. Hier zu Lande konzentriere man sich auf die so genannte „rote Biotechnologie“, also auf neue medizinische Methoden und neue Medikamente. Bei den Nachbarn dominiere, laut Spatz, nach wie vor die „graue Biotechnologie“, wo es laut Spatz „um industrielle Anwendungen geht“. Vor allem in den Bereichen Großchemie und Energiegewinnung.

Projektbezogene Partnerschaften über die Ostgrenzen hinaus wurden bisher bereits von Fördereinrichtungen unterstützt – mit Wettbewerben. Best of Biotech zum Beispiel, ein Wettbewerb von Life Science Austria und Life Science Austria Vienna, will, wie es heißt, den „strategisch interessanten Standort Österreichs als Brücke zu den neuen EU-Mitgliedsländern in den Bereichen Biotechnologie und Molekularbiologie“ fördern und erste Kontakte zwischen Österreich und den Nachbarn Ungarn, Slowakei, Tschechien und Slowenien verhelfen. Auf gut Deutsch heißt das, dass auch Ideen aus dem Ausland prämiert wurden: Ein Preis ging zum Beispiel an ein Team aus Brünn, das ein neuartiges Mikroskop entwickelt hat, das eine schnelle und gleichzeitig hochauflösende und noch dazu dreidimensionale Aufnahme einer großen Anzahl von Zellen gestattet. Mit Hilfe dieser Methode soll es künftig möglich sein, zum Beispiel die räumliche Wechselwirkung von Genen zu studieren.

Geld blieb übrig

Auch beim Call „Co Operate“ des Wiener Zentrums für Innovation und Technologie versuchte man grenzüberschreitende Projekte zu unterstützen – ohne thematische Vorgaben. Elf Projekte wurden unterstützt, acht davon führen ihre Vorhaben mit Partnern aus den neuen EU-Mitgliedstaaten oder den Staaten des Balkans durch. Insgesamt wurden 1,34 Millionen Fördermittel ausgeschüttet – und das bei einem zur Verfügung stehenden Budget von zwei Millionen. Fazit beim Zentrum: „Es gibt Nachholbedarf im Bereich der Forschungund- Entwicklungskooperationen von Unternehmen mit Partnern und Mittel- und Südosteuropa.“

Das sieht Michael Stampfer vom Wiener Wissenschaftsfonds (WWTF) ganz ähnlich. Bei grenzüberschreitenden Kooperationen verliere man sich nicht selten in Administration – zulasten der Qualität. Eine Strukturierung der Partnerschaften wäre nötig, heißt es auch an anderer Stelle. Vielleicht durch den erwähnten Katalog der Wissenschaftskompetenzen in den östlichen Nachbarstaaten. (DER STANDARD, 21. Dezember 2005)

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  • Die Suche nach Kooperationspartnern dürfte für die heimische Life-Science-Branche leichter werden. Eine Art Katalog der Kompetenzen im Osten wird erstellt

    Die Suche nach Kooperationspartnern dürfte für die heimische Life-Science-Branche leichter werden. Eine Art Katalog der Kompetenzen im Osten wird erstellt

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