Schwarzenegger: "Wollte klare Fronten schaffen"

22. Dezember 2005, 13:13
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"Bleibe in meinen Wurzeln Grazer, Steirer, Österreicher" - Schwarzenegger-Sprecher: Sache ist "lästig"

Graz - Der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger erklärt nach seinem Brief an die Stadt Graz, in dem er den Gebrauch seines Namens für Werbrezwecke untersagt, er habe "klare Fronten schaffen" wollen. Graz werde in Zukunft keine Probleme "mit meinen Entscheidungen als Gouverneur von Kalifornien haben, weil uns offiziell ja nichts mehr verbindet", so der frühere Filmschauspieler mit steirischen Wurzeln in der Dienstag-Ausgabe der "Kronen Zeitung".

Das offizielle Graz brauche auch kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, "einen geehrt zu haben, der es ihrer Meinung nach nicht mehr verdient", so Schwarzenegger. Er habe überhaupt nichts gegen Kritik, man möge ihm diese auch weiterhin aus Graz übermitteln und er werde sie ernsthaft zur Kenntnis nehmen. Er habe nur kein Interesse mehr, dass man mit seinem Namen in Graz politische Spielchen getrieben würden: "Ich habe ihn ursprünglich hergegeben, weil ich gehofft hatte, Graz etwas zu geben, das den Bekanntheitsgrad der Stadt steigern und den Tourismus ankurbeln könnte".

Schwarzenegger meinte weiters, ihm täten alle Menschen leid, die sich in der Diskussion um die Stadion-Umbenennung für ihn eingesetzt hätten, weil sie "sehr wohl zwischen dem kalifornischen Politiker Schwarzenegger und dem Graz-Fan Schwarzengger unterscheiden" könnten. Ihm tue es leid, dass es nun "doch zu einem Bruch zwischen den Politikern dieser Stadt und mir gekommen ist". Er habe eben eine andere Vorstellung von Freundschaft, diese sei mit dem Stadion und dem 1999 verliehenen Ehrenring "irgendwie offiziell besiegelt" gewesen. Er würde es nie wagen, eine Entscheidung der Grazer Politiker von Sacramento aus öffentlich zu kritisieren: "Aber Graz schreit stets als Erster laut und öffentlich auf, wenn gewisse Kräfte in der Stadtpolitik mit einer meiner Entscheidungen Probleme haben".

Zum Thema Todesstrafe, an dem sich der Disput entzündet hatte, sagt Schwarzenegger: "Es ist irgendwie paradox. Gerade Kalifornien, das ja als einer der liberalsten US-Bundesstaaten gilt, hat neben Texas die härtesten Gesetze, wenn es um Kapitalverbrechen geht. Das Volk ist mit überwiegender Mehrheit für die Todesstrafe". Er habe einen Eid darauf geschworen, die Verfassung des Staates Kalifornien zu unterstützen und zu verteidigen. Er hätte Stanley Williams begnadigt, wenn es überzeugende Gründe dafür gegeben hätte. Ein ganzes Team habe sich damit beschäftigt und alle Experten seien zum Schluss gekommen, dass es viele Anzeichen - vor allem auch in dessen Schriften - gebe, die darauf hinweisen, dass dieser nach wie vor die Gewalt, und auch Gewalttäter, verherrliche.

Er sei allerdings nicht so enttäuscht, dass er Österreich nicht mehr besuchen werde - er sei in seinen Wurzeln "ein Grazer, Steirer und Österreicher. Das sitzt so tief, dass es immer in mir bleiben wird".

In der "Los Angeles Times" (Dienstagausgabe) sagt Schwarzeneggers Sprecher Rob Stutzman, der Gouverneur habe seinen österreichischen Kritikern die Gelegenheit nehmen wollen, ihn ständig in Verlegenheit zu bringen. "Diese Sache kommt immer auf, wenn sie ihre Unzufriedenheit mit ihm als Gouverneur ausdrücken wollen und das ist lästig", so Stutzman. "Man kann oft damit drohen, das Stadion umzubenennen, aber man kann den Namen nur einmal ändern, und es ist getan."

Die Zeitung zitiert auch den österreichischen Generalkonsul in Los Angeles, Bernard Faustenhammer, der Schwarzenegger als "riesige öffentliche Persönlichkeit" bezeichnete. Er werde "fast schon als Akteur der nationalen Politik angesehen". Daher sei es fast schon Routine geworden, seinen Namen zu verwenden, "um politisch zu punkten" und "Aufmerksamkeit für eigene Anliegen zu bekommen". Die Zeitung wertet Schwarzeneggers Brief als Indiz, dass es weitere Hinrichtungen geben wird. (APA)

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