Svindal: "Als Fußballer zu schlecht"

27. Dezember 2005, 13:25
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Norwegens Senkrechtstarter Aksel Lund Svindal im Inter­view zum umkämpften Gesamt-Weltcup: "Ge­nau so soll es doch sein"

Kranjska Gora - 2002 räumte Aksel Lund Svindal bei der Ski-Junioren-WM ein Mal Gold (Kombination), ein Mal Silber (Super G) und zwei Mal Bronze (Abfahrt, Slalom) ab - es war also nur eine Frage der Zeit, bis der Modellathlet (1,95 m, 100 kg) aus Lilleström in Norwegen auch im Weltcup an der Spitze mitmischt.

Im laufenden Olympia-Winter ist es nun so weit: der 23-Jährige feierte im November im Lake-Louise-Super-G seinen ersten Weltcup-Sieg, platzierte sich bereits jetzt in allen fünf Disziplinen unter den Top-10 und liegt in der Gesamtwertung mit nur 17 Punkten Rückstand auf Bode Miller (USA) auf Platz zwei.

In Kranjska Gora, wo ein RTL (Mittwoch) und ein Slalom (Donnerstag) stattfinden, tritt Svindal trotz eines Rippenbruchs und "höllischer Schmerzen" an. Im APA-Interview sprach der Überraschungs-Vize-Weltmeister in der Kombination außerdem u.a. über seinen Werdegang zum Allrounder, den heiß umkämpften Gesamt-Weltcup und seine berühmten Teamkollegen Lasse Kjus und Kjetil Andre Aamodt.

Wie geht es Ihnen nach dem schweren Sturz im Abfahrtstraining von Gröden?

Svindal: "Bis Sonntag taten mir vor allem die Schulter und die Rippen weh. Im ersten Lauf von Alta Badia kollidierte ich dann mit einem Tor, da hab ich mir eine Rippe gebrochen. Zwischen dem ersten und zweiten Durchgang war ich im Spital. Der Doktor hat gesagt, dass es trotz der höllischen Schmerzen nicht gefährlich ist, deswegen bin ich weiter gefahren."

Dennoch wäre wohl eine Pause angebracht... Svindal: "Normalerweise müsste ich vier Wochen pausieren. Aber mein Plan ist, in Kranjska Gora zu fahren und lediglich die Abfahrt in Bormio auszulassen. Ich gönne mir also eine kleine Weihnachtspause."

In 13 Weltcup-Rennen hat es elf verschiedene Sieger gegeben. Was ist los im Weltcup?

Svindal: "Genau so soll der Weltcup doch sein: verschiedene Siegertypen aus verschiedenen Ländern. Derzeit gibt es in jedem Rennen zehn Sieganwärter. Es kommt nur darauf an, wer den besten Tag erwischt. Alles ist sehr eng beieinander, das ist super für unseren Sport. Es dominiert derzeit keiner so wie Bode Miller in der vergangenen Saison."

Sie sind die große Überraschung der Saison, auch für Sie selbst?

Svindal: "Ich wusste, dass ich schnell sein kann. Aber dass ich in den Top-Drei des Gesamt-Weltcups mitmische, ist auch für mich überraschend. Ich nehme fast immer und überall ein paar Punkte mit, deswegen bin ich vorne mit dabei."

Werden Ihrer Meinung nach bis zum Saisonende derart viele Läufer um den Sieg im Gesamt-Weltcup mitplaudern?

Svindal: "Nein. Im Jänner stehen sehr viele Rennen auf dem Programm, vor allem Riesentorläufe und Slaloms. Dann werden wir mehr sehen. Ich glaube, dass die heißesten Anwärter Raich, Miller und Walchhofer sind. Und hoffentlich bin auch ich bis zum Schluss vorne mit dabei."

Wie ist die Zusammenarbeit mit Ihren beiden berühmten Teamkollegen, den norwegischen Skilegenden Lasse Kjus und Kjetil Andre Aamodt?

Svindal: "Dass ich ein Allrounder bin, hat nichts mit ihnen zu tun. Ich war schon immer ein Allrounder. Früher waren sie meine Helden, die ich via TV bewunderte. Seit drei, vier Jahren arbeiten wir eng zusammen, ich hoffe, dass ich noch viel von den beiden lernen kann."

Sie sind 1,95 m groß und 100 kg schwer, haben Sie nie daran gedacht, einen anderen Sport auszuüben, z.B. Mittelstürmer im Fußball?

Svindal: "Als Fußballer war ich zu schlecht. Im Alter von elf Jahren begann ich mich seriös aufs Skifahren zu konzentrieren. Zuerst in meinem Heimat-Ski-Klub, dann in einem Ski-Gymnasium. Bis dahin war es einfach nur Skifahren mit Freunden. Erst mit 16 wurde ich dann ins neu gegründete norwegische Junioren-Team geholt, seitdem kümmert sich der Verband um mich."

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ski-Österreich?

Svindal: "Österreich hat tonnenweise gute Skifahrer. Ich spreche gut Deutsch, fahre Atomic-Ski, habe einen österreichischen Servicemann und auch sonst viel in Österreich und der Schweiz zu tun. Als Norweger musst du eben realisieren, dass in Norwegen im Alpinsport nicht viel passiert und dass du dein halbes Leben in Mitteleuropa verbringst."

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Mischt vorne mit: Aksel Lund Svindal.

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