Transpannonische Schienen

20. Dezember 2005, 18:15
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Die Raaberbahn verbindet seit 130 Jahren Wien mit Sopron

Den Bubentraum vom Lokführer hat er nicht geträumt. „Ich habe gern mit der Eisenbahn gespielt, aber mein Berufswunsch war Pfarrer“, erinnert sich Csaba Székely. Gelandet ist er letztlich weder auf der einen noch auf der anderen Kanzel, doch das Eisenbahnwesen hat sein Leben nachdrücklicher beeinflusst: Der ExÖIAG-Pressechef Székely war Kabinettsmitglied bei zwei Verkehrsministern, hat Bücher über die Semmering- und die Nordbahn veröffentlicht und steht seit zehn Jahren an der Spitze der Raab-Oedenburg-Ebenfurter-Bahn.

Diese Privatbahn verbindet seit 1876 im kleinen Grenzverkehr das Burgenland und Westungarn, die Konzession erteilte damals Kaiser Franz Josef in seiner Funktion als König von Ungarn. Auch die Grenzziehung nach dem Ersten Weltkrieg änderte nichts an der transpannonischen Streckenführung, und heute kann man in den grün-gelb gestreiften Zügen der Raaberbahn von Wien Südbahnhof bis Sopron mit einem Fahrschein des Verkehrsverbunds Ostregion (VOR) fahren.

Der Firmensitz der Raaberbahn, die in Ungarn „Györ-Sopron-Ebenfurti Vasút“ heißt, ist in Sopron, die Betriebsdirektion in Wulkaprodersdorf. Seit einer Umstrukturierung vor einem Jahr ist Székely als Stellvertreter des Generaldirektors für den Bereich Infrastruktur zuständig, damit auch für den Ankauf neuer Lokomotiven („Puszta-Stiere“), die wegen des sukzessiven Streckenausbaus nötig sind.

Der gebürtige Bad Ausseer wuchs dank ungarischer Eltern zweisprachig auf, wie Paul Lendvai oder andere berühmte Magyaren klingt er aber nur zum Scherz. Nach zehn Jahren in der Wirtschaft sieht er durchaus Parallelen mit der Politik: „Auch beim Management landen all jene Probleme, die aus dem Ruder laufen. Das ist also auch ein politischer Job. Die Planbarkeit ist im Wirtschaftsleben allerdings wesentlich stärker ausgeprägt.“ (rös, DER STANDARD, 21. Dezember 2005)

  • Kleiner Grenzverkehr: Csaba Székely, Generaldirektor-Stellvertreter der privaten Raaber Bahn

    Kleiner Grenzverkehr: Csaba Székely, Generaldirektor-Stellvertreter der privaten Raaber Bahn

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