Sunnitische Allianz akzeptiert Wahlergebnis nicht

20. Dezember 2005, 14:36
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Fälschungsvorwürfe gefährden politischen Prozess

Bagdad/Kairo - Das sunnitische Bündnis "Front der Eintracht" von Adnan Dulaimi hat der irakischen Wahlkommission vorgeworfen, das Ergebnis der Parlamentswahl in Bagdad gefälscht zu haben. Die Führer der Front sagten am Dienstag vor der Presse in Bagdad: "Wir fechten das Ergebnis an". Es sei nicht möglich, dass die Schiiten-Allianz der religiösen Parteien in der Hauptstadt tatsächlich die absolute Mehrheit errungen habe. Das Bündnis forderte eine Wiederholung der Wahl in Bagdad, "und in allen anderen Provinzen, in denen es eventuell eine Fälschung der Ergebnisse gegeben hat". Adnan Dulaimi sagte: "Wir werden zu diesem Fehler nicht schweigen."

Der Vorsitzende der Wahlkommission hatte am Montag erklärt, 89 Prozent der Stimmen in 11 von 18 Provinzen seien bereits ausgezählt. Danach habe das religiöse Schiiten-Bündnis "Vereinigte Irakische Allianz" in allen Südprovinzen und auch in Bagdad die meisten Stimmen erhalten. Politische Beobachter befürchten nun, dass die Ablehnung des Ergebnisses durch die "Eintracht-Front" die arabischen Sunniten, die sich diesmal erstmals seit dem Sturz des alten Regimes an einer Wahl beteiligt hatten, zu einem Abbruch ihrer Beteiligung am politischen Prozess führen könnte.

Die Provinz Bagdad ist der größte Wahlbezirk, dort wird über 59 der 275 Parlamentssitze entschieden. Aus dem religiösen Schiiten-Bündnis, das vom pro-iranischen "Obersten Rat für die Islamische Revolution im Irak" (SCIRI) von Abdulaziz al-Hakim und der Dawa-Partei des amtierenden Ministerpräsidenten Ibrahim al-Jaafari angeführt wird, war der "Irakische Nationalkongress" (INC) des ehemaligen USA-Günstlings Ahmed Chalabi ausgeschert. (APA/dpa)

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