Schwarz oder Weiß: Eine Frage eines Gens

28. Dezember 2005, 13:37
17 Postings

Fischmodell zeigt Regulation der Hautfarbe - US-Forscherteam: Europäer weisen zu 98 Prozent Genmutation auf

Washington - Hinter der verschiedenen Hautpigmentierung bei Menschen und Zebrafischen stecken dieselben Mechanismen, vermuten US-Forscher im Wissenschaftsmagazin "Science": Der US-Molekularbiologe Keith Cheng von der Penn State University und sein Team fanden heraus, dass sich Menschen und Zebrafische ein Gen teilen, das für die Farbe ihrer Haut eine wichtige Rolle spielt: Die Veränderung von nur einem kleinen Teil dieses Gens entscheidet darüber, ob sie hell- oder dunkelhäutig sind.

Die Streifen der Zebrafische sind normalerweise sehr dunkel. Bei einer Abart jedoch, bei Goldenen Zebrafischen, ist die Pigmentierung viel schwächer, die Haut daher deutlich heller.

Analog zum Menschen entscheidet auch bei den Fischen Anzahl und Größe der Pigmente in den Hautzellen über die Farbe - das Pigment Melanin ist dafür verantwortlich. Es befindet sich im Inneren der Zellen in kleinen Bläschen, den so genannten Melanosomen. Je mehr Pigmente die Zellen produzieren, desto dunkler ist die Haut, desto besser ist sie vor Sonnenlicht geschützt.

Die "schwarzen" und "weißen" Zebrafische unterschieden sich durch eine kleine Variation in einem Erbgutschnipsel mit dem sperrigen Namen "SLC24A5". Nun haben aber auch Menschen ein derartiges Gen - in die Fische eingepflanzt, bestimmt das sogar bei den Tieren die Hautfarbe. Darauf hin haben die Forscher mithilfe der "Hap Map", einer Datenbasis, in der genetische Variationen bei Menschen gesammelt werden, die bei den Fischen entdeckte Mutation dieses Gens auch bei Menschen gefunden: Ostasiaten und Afrikaner tragen in der Regel die "normale" Genvariante, bei 98 Prozent aller Europäer hingegen ist - wie bei den hellen Goldenen Zebrafischen - eine einzige Aminosäure vertauscht. Das Forscherteam geht davon aus, dass sich auch die Augen- und Haarfarben der Europäer mit der Genmutation erklären lassen. Bewiesen ist das aber noch nicht.

Keine Erklärung

Warum sich in Europa nicht die normale Genvariante durchgesetzt hat, lässt sich durch die Forschungen nicht erklären. Man geht davon aus, dass hellere Haut weniger Sonnenlicht absorbiert und dadurch mehr Vitamin D aufbaut. Dies wiederum ist für Bewohner der nördlichen Breitengrade von Vorteil. Der bessere Schutz einer dunkleren Haut vor UV-Strahlung ist im sonnenärmeren Norden hingegen nicht mehr so wichtig. (fei/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.12. 2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ostasiaten und Afrikaner tragen in der Regel die "normale" Genvariante, bei 98 Prozent aller Europäer hingegen ist - wie bei den hellen Goldenen Zebrafischen - eine einzige Aminosäure vertauscht, so US-Molekularbiologen.

Share if you care.