Viele Sigmund-Freud-Institute

21. Dezember 2005, 20:14
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Was das Außenministerium zum "anderen" Jubiläum 2006 plant

Wien - "Nicht Sigmund Freud braucht Österreich", sagt Emil Brix, "sondern Österreich braucht Freud und das, was er geleistet hat."

Der Leiter der Kultursektion im Außenministerium bringt die für das Jubiläumsjahr 2006 geplanten Aktivitäten auf zwei Punkte: zum einen, dass man aus dem Schatten des ebenfalls gefeierten Mozart hervortreten werde; zum anderen, dass dies nicht zu einer Heldenverehrung des Vaters der Psychoanalyse führen soll. "Diese Zeiten sind vorbei. Außerdem wurde Freud (vor 150 Jahren) im heute tschechischen Pribor geboren und starb im Londoner Exil", beides Daten, die zur Relativierung einladen.

"Die Enthüllung des 21. Jahrhunderts" ist das Motto der auslandskulturellen Aktivitäten. Nach dem Ende der Ideologien im letzten Säkulum werden Freuds Arbeiten über die Differenzierung und Fragmentierung der Gesellschaft wieder aktueller, seine Anstöße multiplizieren sich in Kulturkritik oder in der Suche nach den Wurzeln der zunehmenden Gewaltbereitschaft.

Nacht des Traums

Auf diese Aspekte der analytischen Schriften soll in den nächsten zwölf Monaten ein ganzes Füllhorn von Aktivitäten aufmerksam machen, die die Kultursektion und die Sigmund Freud Privatstiftung mit der Kommunikationsstelle Multi Art zusammengestellt haben. Sie reichen von demonstrativen internationalen Zeichen bis zu regionaler Detailarbeit an präzisen Fragestellungen. Als vielleicht sichtbarstes, jedenfalls kürzestes und allgemeinstes Signal werden gut zwei Dutzend Österreichische Kulturforen in aller Welt am Vorabend des Geburtstags (6. Mai) in "Freud Institute" umbenannt und entsprechend beflaggt.

Weitere Aktivitäten, vorgestellt von der Koordinatorin Claudia Rochel-Laurich: Tagungen, Ausstellungen, Symposien und ein Konzertzyklus in Italien, die Vorstellung der vietnamesischen Übersetzung der Traumdeutung in Hanoi, eine "Nacht des Traums" in Amsterdam, Psychoanalyse-Cartoons und Berggasse-Fotos in New York, eine tschechische Hommage à Freud und vieles anderes mehr.

Der aus dem Unbewussten schöpfenden Art-Brut-Szene wird sich eine eigene Ausstellung widmen (Kuratorin Angelica Bäumer), ebenso der Konzeptkunst-Sammlung der Freud-Privatstiftung. Deren Leiterin Inge Scholz-Strasser sieht das Freud-Jahr als Chance zu weiterführender Popularisierung: "Freud soll wieder mehr gelesen werden." (DER STANDARD, Printausgabe, 20.12.2005)

Von Michael Freund

Links

Sigmund Freud Jahr 2006

Sigmund Freud Jahr 2006

freud-institut.com (ab 1/2006)
  • "Die Chance, zur Popularisierung beizutragen, heißt: wieder mehr Freud lesen": Sigmund Freud, Zeitung lesend in Niederösterreich, 1932.
    foto: sigmund freud privatstiftung

    "Die Chance, zur Popularisierung beizutragen, heißt: wieder mehr Freud lesen": Sigmund Freud, Zeitung lesend in Niederösterreich, 1932.

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