Linz: Nadelöhr entschärft, neuer Stau

20. Dezember 2005, 21:05
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Der geplante Westring könne langfristig auch keine Entlastung bringen, meint Oberösterreichs Verkehrsplaner Leonhard Höfler

Drei Spuren pro Fahrtrichtung, eine um 50 Prozent verbreiterte Fahrbahn: Derzeit kommen die 100.000 Autos, die täglich den Linzer Bindermichl passieren, flott voran. Mit der Eröffnung des zweiröhrigen Tunnels der Mühlkreisautobahn Ende November wurde dieses Nadelöhr beseitigt – und damit ein neues im Stadtgebiet geschaffen. Derzeit staut es sich vor allem auf der Waldeggstraße. Für Oberösterreichs Straßenbaulandesrat Franz Hiesl (ÖVP) nur eine weitere Bestätigung, wie dringend der Bau des Westringes sei. "Damit wird der Stau nur an eine anderen Ort verlagert", meint hingegen die grüne Gemeinderätin Gerda Lenger. Die Umfahrung Ebelsberg im Südosten von Linz liefere zudem den Beweis, dass neue Straßen nur noch mehr Individualverkehr produzieren.

Die Grünen und sechs Linzer Bürgerinitiativen bekämpfen deshalb die A26, die ab 2009 in drei Etappen errichtet werden soll. Laut Plänen der Asfinag verläuft der Westring ab dem Bindermichl unterirdisch bis zur Donau, um damit die zum Teil nur einspurige Waldeggstraße zu entlasten.

Zweifel

Genau diesen Effekt stellen die Grünen jedoch in Zweifel. Lenger belegt ihre Befürchtung mit Verkehrszählungen für besagte Umfahrung Ebelsberg. An Werktagen drängten sich 38.500 Pkws und Lkws durch den Ort. Als die Umfahrung 2002 für den Verkehr freigegeben wurde, fuhren auch tatsächlich nur noch halb so viele Autos durch Ebelsberg. Doch bereits voriges Jahr stieg die Belastung merklich (24.000). In Summe fahren heute um und durch den Ort um 7500 Autos mehr als vor der Umfahrung.

Mehrere Ursachen macht Leonhard Höfler, Leiter der Verkehrskoordination beim Land Oberösterreich, dafür verantwortlich. Zum einen entstand im Süden von Linz mit der Solar-City ein neuer Stadtteil. Zum anderen war die Umfahrung Ausweichroute für die Großbaustelle Bindermichl.

Aber trotzdem, in einem Punkt müsse er den Grünen Recht geben: "Neue Straßen ziehen mehr Verkehr an." Das gelte auch für den künftigen Westring. Trotz dieser "Hochleistungsachse" werde es "langfristig keine Entlastung" für Linz geben. (ker, DER STANDARD-Printausgabe 21.12.2005)

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