Innenministerium bestätigt Versäumnisse

28. Dezember 2005, 13:15
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Keine psychologische Betreuung im Fall des 18-jährigen Schubhäftlings Yankuba C. - Wachebeamte hatte keine Sanitäterausbildung

Linz/Wien - Im Zusammenhang mit dem Tod des 18-jährigen Schubhäftlings Yankuba C. wurden am Montag neue Versäumnisse bekannt. Wie berichtet, starb der Schubhäftling aus Gambia am 4. Oktober in einer Sicherungszelle der Linzer Polizei. Nun liegt dazu eine parlamentarische Anfragebeantwortung von Innenministerin Liese Prokop (VP) vor.

Psychologische Betreuung hat es - laut Prokop - während des Hungerstreiks des jungen Mannes nicht gegeben. Ab dem Zeitpunkt der Nahrungsverweigerung habe es zwar tägliche polizeiärztliche Untersuchungen gegeben, detaillierte Aufzeichnungen darüber gebe es aber nicht. Prokop führt weiter aus, dass Wachebeamte zwar meist ausgebildete Sanitäter seien - doch ausgerechnet im Fall C. habe der am Todestag tätige Polizist keine Sanitäterausbildung gehabt. Die halbstündige Nachschau in der Einzelzelle sei, so die Innenministerin, "durch Öffnen der Kostklappe erfolgt, wobei Yankuba C. jeweils in deutscher Sprache angesprochen wurde". Der Häftling habe zwar nur Englisch gesprochen, aber die Nachschau "offensichtlich wahrgenommen", indem er "seinen Kopf erhob und den Beamten ansah".

"Die Zustände in der Schubhaft in Linz sind schlichtweg katastrophal", resümierte die Justizsprecherin der Grünen, Terezija Stoisits, die die Anfrage gestellt hatte. (mro, DER STANDARD-Printausgabe 20.12.2005)

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