Weihnachtliche Zwerchfellattacke

6. Juni 2006, 11:12
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Gedanken über das Weihnachtsfest machen sich die Kabarettisten Alfred Dorfer, Gunkl und Josef Hader im SchülerStandard-Interview

Standard: Glaubst du an das Christkind oder an den Weihnachtsmann?

Alfred Dorfer: Ich glaube eher an den Weihnachtsmann, weil der immer vor den Kaufhäusern steht und mir irgendeinen Ramsch andrehen will.

Gunkl: Nein, das hat sich bei mir schon sehr früh gelegt.

Josef Hader: Zurzeit nicht.

Standard: Was war das schönste Geschenk, das du jemals bekommen hast?

Dorfer: Da gab es zu viele gleichwertige.

Gunkl: Ein Bagger; ich habe mir einen kleineren gewünscht und einen großen mit schwenkbarer Baggerschaufel bekommen. Mein Vater zitierte philosophisch Hildegard Knef: "Das Glück ist eine Frage der Bescheidenheit."

Hader: Ein rotes Tretauto.

Standard: Wie entgeht man dem ungewollten Kuss der ungeliebten Großtanten?

Dorfer: Indem man grundsätzlich Plätze meidet, wo die Großtanten unterwegs sind. Muss man jedoch aus finanzieller Notwendigkeit hin, so würde ich eine ansteckende Krankheit vortäuschen.

Gunkl: Wenn man Rituale begeht – und das Zusammenkommen der Verwandtschaft zu Weihnachten ist kein pragmatischer Akt, das macht man nur, weil es mit Bedeutung aufgeladen ist –, dann ist man verpflichtet zu tun, was das Ritual verlangt und den Kuss der Großtante zu nehmen.

Hader: Warten, bis sie sterben.

Standard: Was machst du gegen die Winterdepression und den Weihnachtseinkaufsstress?

Dorfer: Ich habe keine Winterdepressionen, denn ich bin einer der wenigen Menschen, die den Schnee wirklich lieben. Da ich keine Weihnachtseinkäufe mache, habe ich auch keinen Stress.

Gunkl: Ich habe im Winter keine Depression, weil das Wetter da nichts verspricht, was es im Frühling ja auch nicht hält. Weihnachtseinkäufe erledigt man am besten mit einem gefestigten Menschen seines Vertrauens. Bei mir ist das seit Jahren meine Schwester; an einem ausgewählten Nachmittag stellt man sich allem, was sein muss, schaut sich ins Aug und weiß: Wir sind stark!

Hader: Arbeiten, arbeiten und arbeiten.

Standard: Gibt es ein Mittel, das selbst den größten Weihnachtsmuffel in freudig-erwartungsvolle Festtagsstimmung versetzt?

Dorfer: In meinem Fall sind es Schnee und keine einkaufenden Menschen.

Gunkl: Nein. Wer nicht will, will nicht. Wenn jemand auch noch weiß, warum er nicht will, kann man sich den Christbaumschmuck mitsamt Punsch und Engerln am Bauch hauen.

Hader: Ein negativer Krebsbefund zum Beispiel.

Standard: Was magst du am meisten an Weihnachten?

Dorfer: Wenn die ganze sinnlose Hektik und der Stress abzuebben beginnen, meist ist das am 24. zu Mittag.

Gunkl: Dass einmal im Jahr die Idee auftaucht, "wir könnten so tun, als würden wir uns und einander mögen".

Hader: Den Moment, wenn kleine Kinder den Christbaum sehen.

Standard: Was hasst du am meisten an Weihnachten?

Dorfer: Die Kaufhausmusik.

Gunkl: Dass eben die Idee gerade einmal am 24. – und da nicht einmal glaubwürdig – ausformuliert wird, sondern nur betulich herumgeflötet, und das restliche Jahr über daher hochgradig bis komplett wurscht ist.

Hader: Alles, was davor und danach ist. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.12.2005)

Das Interview führte Julia Wurm
  • Kabarettist Alfred Dorfer.
    foto: ingo pertramer

    Kabarettist Alfred Dorfer.

  • Günther Paal alias Gunkl.
    foto: lukas beck e&a

    Günther Paal alias Gunkl.

  • Josef Hader.
    foto: standard/corn

    Josef Hader.

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