Industriejobs in Österreich werden weiter weniger

19. Dezember 2005, 19:42
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Roland Berger-Befragung sieht Wettbewerbsfähigkeit Österreichs bis 2015 unter Druck - Einfluss Asiens auf heimische Konjunktur wird immer größer

Wien - Topmanager in großen österreichischen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen sehen in den nächsten zehn Jahren namentlich die industrielle Produktion und die damit verbundenen Jobs weiter abnehmen. In einer am Montag vorgestellten Studie der Consultingfirma Roland Berger, die auf der Befragung von 54 Unternehmens-Führungskräften in Österreich beruht, rechnen die Befragten mehrheitlich mit einem Rückgang der industriellen Produktion in den nächsten zehn Jahren.

Die Dienstleistungen werden zwar zunehmen, trotzdem werden auch hier Arbeitsplätze verloren gehen, glauben die befragten Manager. Auch in der Infrastruktur dürften trotz deutlich mehr Geschäft die Jobs abschmelzen. Deutlich zunehmen wird für den Standort Österreich demnach die Bedeutung von Forschung und Entwicklung (F&E). Die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs wird in der Studie "Der Wirtschaftsstandort Österreich im Jahr 2015" beinahe durch die Bank rückläufig gesehen.

Befragt wurden 54 Manager großer Unternehmen, 33 davon aus der Industrie. Unter den befragten Firmen befinden sich Unternehmen mit lokalem (Österreich), regionalem (EU) als auch globalem Schwerpunkt.

Hoher Einfluss von Asiens Wirtschaft

Unter dem Strich schätzen die Manager - also auch die Chefs der eher lokalen Firmen - den Einfluss der Konjunktur Asiens (namentlich Chinas) überraschend hoch ein: Die österreichischen Aktivitäten ihrer Firmen würden stärker durch die Entwicklung in Asien als durch jene in der EU und sogar in Österreich selbst tangiert, glauben die Unternehmensführer.

Die Rolle Österreichs als Absatzmarkt sowie die Verankerung der Unternehmen in Österreich (Firmensitz, F&E, "Headquarterfunktionen") würden weiter deutlich zurückgehen, glauben die Befragten mehrheitlich. Die stärksten "Wachstumstreiber" innerhalb Österreichs seien "Innovation und Kreativität".

Derzeit stehe Österreich freilich "sehr gut da", glaubt Manfred Reichl, Österreich-Chef von Roland Berger dennoch. Die österreichischen Unternehmen sollten speziell den wirtschaftlichen Auftrieb aus Osteuropa "weiter nutzen, um eine Antwort auf den zunehmenden Druck aus Asien zu finden". Ostöffnung und EU-Erweiterung haben nach Meinung von Roland Berger zur Entstehung einer neuen Unternehmensklasse beigetragen, die sich über die Aktivitäten im Osten besonders stark regionalisiert haben. (APA)

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