Neuer Parasit an Weinreben entdeckt

4. März 2006, 11:52
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Schleimpilz verursacht Absterben von Wurzelgewebe. Bedeutung ist derzeit noch nicht absehbar

Innsbruck - Einen neuen Parasiten an Wurzeln von Weinreben haben Wissenschafter der Universität Innsbruck in Zusammenarbeit mit Kollegen der Uni Mainz in Deutschland entdeckt. Es handelt sich dabei um einen so genannten Schleimpilz mit dem Namen Sorosphaera viticola. Die Bedeutung des Pilzes, also welchen Schaden er verursacht, wird derzeit noch untersucht. Verwandte von Sorosphaeria viticola gelten als bedeutende Schädlinge an anderen Pflanzen.

An Fußbälle erinnernde Kügelchen

Die Wissenschafter vom Institut für Mikrobiologie der Uni Innsbruck führten Untersuchungen über den Einfluss verschiedener, bekannter Pilze auf Weinreben durch. Dabei stießen sie auf winzige, an Fußbälle erinnernde Kügelchen an den Weinwurzeln, erklärte Martin Kirchmair gegenüber der APA. Genauere Analysen ergaben, dass es sich dabei um Dauersporen eines bisher unbekannten Parasiten handelt.

Die Verwandtschaftsbeziehungen der Schleimpilze mit den echten Pilzen sind bisher nicht restlos geklärt. Vielfach werden sie überhaupt als eigene Gruppe betrachtet. Ihre Lebensweise gleicht manchmal einer riesigen, langsam vor sich hinfließende Amöbe, sie können aber auch wie Pilze Fruchtkörper ausbilden. Dauersporen anderer Vertreter der Gruppe der Plasmodiophoriden (parasitische Schleimpilze), zu denen der neu entdeckte Parasit zählt, gelten als besonders langlebig, sie können bis zu 30 Jahren im Boden existieren.

Gefährliche Verwandte

Bis jetzt steht fest, dass ein Befall mit Sorosphaeria viticola kleine Bereiche von abgestorbenem Wurzelgewebe verursacht. Dieser Umstand alleine hat laut den Forschern zwar keinen negativen Einfluss auf das Wachstum der Rebe, die Wunden bieten aber möglicherweise anderen Parasiten des Weinstocks eine Eintrittspforte. Darüber hinaus ist noch nicht geklärt, ob Sorosphaera viticola nicht vielleicht auch Viren überträgt.

Verwandte von Sorosphaera viticola sind bekannte und gefürchtete Erreger verschiedener Pflanzenkrankheiten, so des Pulverschorfs der Kartoffel, der Kohlhernie oder der Wurzelbärtigkeit der Zuckerrübe. Andere Verwandte des neuen Parasiten übertragen mehr als 20 verschiedene Getreideviren. (APA)

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