Neue Fossillagerstätte in Graz entdeckt

27. Dezember 2005, 13:16
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Unbekannte Kleinkrebsart, Warane und Schlangen werden von Paläontologen auf zwölf Millionen Jahre datiert

Graz - Auf eine bisher unbekannte Fossillagerstätte sind vor kurzem Paläontologen des Steiermärkischen Landesmuseum Joanneum gestoßen. Laut den Experten vom Landesmuseum traten in der auf zwölf Millionen Jahre geschätzten Lagerstätte am Stadtrand von Graz "sensationelle Funde" zu Tage: Neben einer bisher unbekannten Kleinkrebsart und versteinerten Süßwasserkrabben wurden auch Wirbel- und Rippenfragmente von bis zu einem Meter langen urzeitlichen Waranen entdeckt.

"Wir werden weitergraben, sobald es die Witterung wieder zulässt", so Martin Gross von der Abteilung Geologie und Paläontologie des Landesmuseums. Auf die Lagerstätte im Norden von Graz war man im Zuge einer Notgrabung gestoßen. Den genauen Fundort wollte man vorerst nicht nennen um die Aktivitäten von "Freizeitpaläontologen" hintanzuhalten. Für die Wissenschafter gibt es noch viel zu tun: "Die bisherige Fundstätte ist mindestens 100 mal 50 Meter groß", so Gross. Das sei nur im größeren Team zu bewältigen. Nun unterstützen Experten des Naturhistorischen Museums Wien und der Geologischen Bundesanstalt sowie die Wietersdorfer & Peggauer Zementwerke die weiteren Forschungen.

Zwölf Millionen Jahre altes Ökosystem

Bisher wurden von den Paläontologen versteinerte Knochen-, Zahn- und Schalenstücke geborgen, die einen Einblick in ein rund zwölf Millionen Jahre altes Ökosystem bieten: Neben mehr als 20 exotischen Pflanzenarten, 15 verschiedenen Spezies von Schnecken und einer bisher unbekannten Kleinkrebsart wurden auch versteinerte Süßwasserkrabben ausgegraben, die europaweit zu den absoluten Raritäten zählen, schildert der Grazer Paläontologe und Sedimentologe.

Einen Einblick in die Millionen Jahre alte Amphibien- und Reptilienfauna geben außerdem Versteinerungen von Fröschen, Glasschleichen, Nattern und Schnappschildkröten. Dass im Umland von Graz auch rund einen Meter lange Warane auf der Suche nach Beute umherstreiften, belegen Rippen- und Wirbelfragmente. Zu den bisherigen Funden zählen außerdem zehn Zentimeter lange Hauer von Wildschweinen, handgroße Mahlzähne von Urelefanten und Nashörnern. Geweihreste von Zwerghirschen und Unterschenkelknochen von Kurzhalsgiraffen vervollständigen das bisherige Bild eines offensichtlich ausgedehnten, subtropischen Feuchtgebietes. (APA)

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