Busfahrer nach Unfall mit zwei Toten verurteilt

21. Dezember 2005, 20:32
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Eineinhalb Jahre teilbedingt für "gröblichste" Verletzung der Sorgfaltspflicht - Urteil ist rechtskräftig

Wien - Jener Busfahrer, der am 5. März 2005 in Wien-Floridsdorf eine Kollision mit einer Straßenbahn verursacht hatte, wodurch zwei Kinder ums Leben kamen, ist am Montag im Straflandesgericht rechtskräftig wegen fahrlässiger Gemeingefährdung mit Todesfolge verurteilt worden. Richterin Seidl verhängte über den 37-jährigen Mann eineinhalb Jahre Haft, wovon sechs Monate unbedingt ausgesprochen wurden.

"Sie haben ihre Sorgfaltspflicht gröblichst verletzt", stellte die Richterin fest. Der Lenker, der für ein privates Unternehmen seit Jahren mit einem Shuttlebus den Floridsdorfer Bahnhof mit der Shopping City Nord (SCN) verbindet, war mit beinahe unverminderter Geschwindigkeit in die Kreuzung Rechte Nordbahngasse - Schlosshoferstraße eingebogen.

Dies, obwohl der Kreuzungsbereich extrem unübersichtlich ist und ihm ein Nachrangzeichen geboten hätte, auf den Querverkehr zu achten. Der Busfahrer übersah jedoch die von links kommende Straßenbahn-Garnitur der Linie 26. "Sie sind ja über die Kreuzung gefahren, als hätte es diese Kreuzung gar nicht gegeben. Mit 28 Stundenkilometern!", hielt ihm die Richterin vor.

Bus in zwei Teile gerissen

Laut dem beigezogenen Verkehrstechniker war der Crash damit "programmiert": Der Busfahrer befand sich bereits auf dem Gleiskörper, als er die Tram registrierte. Er gab zwar noch Gas, um dem Zusammenstoß zu entgehen, dieser war allerdings trotz einer Vollbremsung des sich vorschriftsmäßig verhaltenen Straßenbahnfahrers unvermeidlich.

Der Bus wurde praktisch in zwei Teile gerissen. Ein vierjähriger Bub wurde ins Freie geschleudert, ein 16-jähriger Jugendlicher von Metallteilen erschlagen. 16 weitere Personen wurden verletzt, einer davon schwer. Auch die Tram war schrottreif. Fahrgäste, die sich im Bereich der nahe gelegenen 26er-Haltestelle aufgehalten hatten, standen angesichts des Horror-Unfalls unter Schock und mussten ebenfalls von den Rettungskräften versorgt werden. (APA)

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