Porträt: "Wer die Nerven verliert, ist tot"

21. Dezember 2005, 06:55
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Deutsche schwärmte vom Irak als "Ursprung der Kultur" - Sie war sich der Gefahren im Irak aber wohl bewusst

München - Susanne Osthoff war sich der Gefahren im Irak wohl bewusst. "Wer die Nerven verliert, ist tot", sagte sie 2004 in einem Interview. Sie schwärmte von dem Land als "Ursprung der Kultur" und von den "hochgebildeten und sensitiven" Irakern. Seit Jahren leistete die 43-jährige Frau aus Bayern Hilfe für die Menschen in dem von Saddam Husseins Diktatur, Wirtschaftssanktionen und Krieg gezeichneten Land.

Bereits im Religionsunterricht hatten sie Themen wie die Hängenden Gärten von Babylon fasziniert. Sie studierte Vorderasiatische Archäologie, lebte jahrelang im Jemen und nahm 1984 erstmals an Grabungen im Irak teil. Sie lernte Arabisch und trat zum Islam über, auch wegen ihres Mannes. Nach "Spiegel"-Informationen kommt er aus dem Irak, stammt aus dem Beduinen-Stamm der Shammar. Die gemeinsame Tochter Tarfa ist mittlerweile zwölf Jahre alt.

"Zeichen setzen, Brücken schlagen"

Die Ehe zerbrach schon nach wenigen Jahren, Osthoffs Liebe zum Irak aber blieb. Auch zur Zeit der Wirtschaftssanktionen gegen das Land reiste Osthoff immer wieder in die Krisenregion - "um Zeichen zu setzten, um Brücken zu schlagen", wie sie sagte.

Bereits wenige Tage nach Beginn des Krieges der USA gegen den Irak im März 2003 machte sie sich in Zusammenarbeit mit der "Direkt- Hilfe Irak" von der jordanischen Hauptstadt Amman aus erneut nach Bagdad auf - an Bord Hilfsgüter und Medikamente. Auf Beduinen- Schleichwegen durch die Wüste geriet der Transport unter Beschuss, kam aber dennoch gut in Bagdad an. Weitere Hilfsaktionen folgten. "Sie ist richtig fanatisch", sagte Osthoffs Mutter Ingrid Hala dem "Spiegel".

"Im falschen Land geboren"

"Die ganze Welt hat zugeschaut, sie hat gehandelt", sagt ihre Schwester, die 35 Jahre alte Anja Osthoff. Die vielen Kontakte zu Familien im arabischen Raum hätten ihre Schwester immer wieder in die Krisenregion gezogen. "Es ist, als wenn sie irgendwie im falschen Land geboren wäre." (APA)

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    Seit Jahren leistete die 43-jährige Susanne Osthoff aus Bayern Hilfe für die Menschen in dem von Saddam Husseins Diktatur, Wirtschaftssanktionen und Krieg gezeichneten Land.

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