Chronologie der Osthoff-Entführung

20. Dezember 2005, 12:45
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Deutsche wurde am 25. November gemeinsam mit ihrem Fahrer im Nordirak entführt

Bagdad - Die vor gut drei Wochen im Irak entführte Deutsche Susanne Osthoff ist wieder frei. Die deutsche Regierung und ihre Familie hatten sich intensiv für ihre Freilassung eingesetzt.

25. November - Auf einer Fahrt von Bagdad in den kurdischen Norden des Irak werden Osthoff und ihr irakischer Fahrer von Unbekannten gestoppt und verschleppt. Weil sie nicht an ihrem Zielort eintreffen und die US-Stellen Hinweise auf eine Geiselnahme melden, wird die deutsche Botschaft in Bagdad aktiv.

26. November - Das Auswärtige Amt in Berlin geht von einer Entführung aus und richtet einen Krisenstab ein. Die Öffentlichkeit und die Familie des Opfers werden vorerst nicht informiert.

28. November - Dem ARD-Studio in Bagdad wird eine DVD zugespielt. Der Sender sendet die Aufnahmen nicht, sondern stellt sie den deutschen Sicherheitsbehörden zur Auswertung zu Verfügung. Zu sehen sind Osthoff, ihr Fahrer sowie drei vermummte Männer mit Waffen, darunter eine Panzerfaust. Die Täter fordern, Deutschland solle seine Zusammenarbeit mit dem Irak beenden. Ansonsten würden die Geiseln getötet.

29. November - Der Krisenstab entschließt sich, die Familie Osthoff zu informieren. Ein Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes ruft kurz nach Mitternacht bei Osthoffs Mutter Ingrid Hala an. Um 02.37 Uhr sendet die ARD ein Standbild des Videos und macht damit die Entführung öffentlich. Bundeskanzlerin Angela Merkel verlangt die Freilassung Osthoffs. Für die Kanzlerin ist die Entführung die erste außenpolitische Herausforderung ihrer noch jungen Amtszeit.

30. November - Merkel geht zu Beginn ihrer ersten Regierungserklärung auf die Entführung ein. Sie kündigt eine harte Linie an. Weder Regierung noch Parlament würden sich dem Druck beugen.

1. Dezember - Der irakische Präsident Jalal Talabani kündigt an, sich persönlich in das Geiseldrama einzuschalten. Er verurteilt die Tat und nennt die Entführer Terroristen. Steinmeier sagt, dass kein Kontakt zu den Tätern bestehe. Die Mutter und die Schwester der Entführten fordern die Täter im arabischen Nachrichtensender Al Jazeera auf, Susanne freizulassen.

2. Dezember - Der radikale Schiiten-Prediger Muktada al-Sadr verlangt in seinem Freitagsgebet die Freilassung der Geisel. Nach übereinstimmenden Berichten der Magazine "Spiegel" und "Focus" ist drei Tage nach Veröffentlichung des Videos ein erstes Ultimatum abgelaufen.

4. Dezember - Merkel und zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft fordern in der "Bild am Sonntag" die Freilassung Osthoffs. Am Abend erklärt die Kanzlerin im ZDF, dass die Regierung noch kein Lebenszeichen von Osthoff hat. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland ruft die geistliche und politische Führung der islamischen Welt auf, sich für die Geisel einzusetzen.

5. Dezember - In den Medien taucht eine neue Spekulation über das Motiv auf: Hinter der Entführung stecke der arabische Ex-Mann Osthoffs, der die Übersiedlung der gemeinsamen Tochter von Deutschland nach Arabien erzwingen wolle.

7. Dezember - Altbundeskanzler Gerhard Schröder setzt sich im arabischen Fernsehsender Al Jazeera für Osthoff ein.

13. Dezember - Nach einem Bericht des ZDF hat die Bundesregierung Kontakt zu Mittelsmännern, die eine Verbindung zu den Entführern herstellen könnten. Das Auswärtige Amt lehnt jeden Kommentar dazu ab.

14. Dezember - Auch die ARD berichtet von Kontakten zu Mittelsmännern. Vor dem Brandenburger Tor in Berlin versammeln sich rund 350 Menschen zu einer Mahnwache der Türkischen Gemeinde Deutschlands. Sie folgen einem Aufruf von Anja Osthoff, die selbst teilnimmt. Zugleich wird eine bundesweite Unterschriftenaktion für die Freilassung der Geisel gestartet.

16. Dezember - Die Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker, Roman Herzog, Johannes Rau, Schröder und Ex-Außenminister Joschka Fischer setzen sich neben anderen bekannten Persönlichkeiten für die Freilassung Osthoffs und ihres Fahrers ein.

18. Dezember - Steinmeier und die Familie Osthoff geben die Freilassung der 43-Jährigen bekannt. (APA/Reuters)

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    Ende November wurde dem ARD-Studio in Bagdad wird eine DVD zugespielt, auf der Osthoff, ihr Fahrer sowie drei vermummte Männer mit Waffen, darunter eine Panzerfaust, zu sehen sind. Die Täter fordern, Deutschland solle seine Zusammenarbeit mit dem Irak beenden. Ansonsten würden die Geiseln getötet.

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